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Wenn die Gondeln Trauer tragen

Info

OT:
Don't look now

AT:
A Venezia ... un Dicembre rosso shocking

Jahr: GB/I 1973
R: Nicolas Roeg
B: Alan Scott, Chris Bryant (nach einer Geschichte von Daphne du Maurier)
K: Anthony Richmond
M: Pino Donnagio
D: Julie Christie, Donald Sutherland, Hilary Mason, Massimo Serato

Quelle: TV (ARD)

 

Inhalt

John (Donald Sutherland) und Laura Baxter (Julie Christie) führen ein gediegenes englisches Landleben mit ihren beiden Kindern Christine (Sharon Williams) und Johnny. Das ändert sich eines Tages schlagartig, als Christine in einem Wassergraben ertrinkt. Der kleine Johnny kommt auf ein Internat, während Kirchenrestaurator John einen Auftrag in Venedig annimmt: Er soll dort ein angegammeltes Gotteshaus wieder in Schuss zu bringen.
Gemeinsam reist das Paar also in die Lagunenstadt, auch um Abstand zu gewinnen und den Schmerz zu verarbeiten. Hier begegnen sie zwei spleenigen schottischen Schwestern: Wendy (Clelia Matania) und der blinden Heather (Hilary Mason), die über das „Zweite Gesicht“ verfügt. Heather teilt der anfangs geschockten Laura mit, dass es Christine „drüben“ gut ginge und sie bei ihnen sei. Nach dem darauf folgenden Zusammenbruch scheint Laura den Schmerz über den Tod der Tochter überwunden zu haben.
John wiederum glaubt nicht an derlei „Hokuspokus“ und sieht es gar nicht gern, dass sich Laura wieder mit den Schwestern trifft. Deren durch Christine ausgerichteten Warnung, er solle Venedig umgehend verlassen, weil er in Lebensgefahr schwebe, schenkt John-Boy folgerichtig keine Beachtung. Doch dann mehren sich Ereignisse, die John’s Geisteszustand zunehmend in Schieflage bringen.

Zitate

Bischof (Massimo Serato): „Sind Sie Christin?“ – Laura: „Ich weiß nicht. Ich liebe Kinder und Tiere.“ (Nun ja)

Heather: „Sie erwarten alle den üblichen Hokuspokus mit Ektoplasma und Händehalten.“

John: „Geh’ da jetzt besser nicht rein: Ich hab’ seit zehn Jahren nicht mehr so gekotzt.“ (Betreten der Toilette verboten (wink))

Bischof (Massimo Serato): „Ich wollte, ich würde nicht an Prophezeiungen glauben, aber ich tu’s. Ich wünschte, ich würde es nicht tun.“

Die Kritik des Gunslingers:

Der Horrorfilm in den 1970ern nahm häufig davon Abstand, Monster oder Geister alter Schule zu bemühen, um Grusel zu erzeugen. Horror kam verstärkt aus den Protagonisten selbst, beispielsweise in Form von Wahnsinn oder „Besessenheit“, wenngleich auch oft induziert durch Übernatürliches. In dieses Horn stoßen auch die Gondeln, die allerdings mit wirklich paranormalen Phänomenen geizen, wie sie meinetwegen „Der Exorzist“ oder auch „Rosemary’s Baby“ auffahren, sieht man vielleicht mal von der Hellsichtigkeit Heathers ab.
Der Streifen macht aus meiner Sicht den Fehler, dass er viel verspricht, aber nicht viel davon einhält. Besonders die Bildsprache ist dermaßen symbolisch aufgeladen, dass angesichts der Ereignisse Enttäuschung fast vorprogrammiert ist. Ein im Wasser treibender Kinderball ist beispielsweise gegengeschnitten mit Wasser aus einem umgekippten Glas, das über ein Dia läuft, und sich kurz darauf blutgleich rot färbt, Kerzen erlöschen in der Kirche, Gesichter werden aus dem Hintergrund geholt und dergleichen mehr. Gleichzeitig sind immer wieder Rückblenden eingestreut und werden Motive wiederholt aufgegriffen wie die Farbe Rot und Wasser (s.o.). Parallel dazu läuft die Handlung sehr ereignisarm und realitätsnah ab. Wir nehmen teil am Alltag der Baxters in Venedig: Kirchenrestauration, Essen im Restaurant, Gespräche im Hotelzimmer und – ja, genau, die auch – die bereits vielerorts erwähnte Sexszene zwischen Donald Sutherland und Julie Christie. Erst im letzten Viertel, mit der Abreise Lauras zurück nach England, um den nach einem Unfall verletzten Johnny zu besuchen, nimmt der Streifen Fahrt auf, streut Zweifel an Johns animistischem Weltbild.
Und das ist dann wirklich allererste Klasse bis hin zum fein gefilmten Finale. Dennoch ist der Film nicht langweilig, ganz im Gegenteil. Das herbstliche, menschenleere Venedig, wabernde Nebel, verrottete Gässchen und Brücken, das Hotel der Baxters, das kurz vor dem Saisonschluss keine weiteren Gäste hat, unterstützen eine eher melancholische Atmosphäre, in der allerdings ein unheimlicher Grundton mitschwingt. Die Kameraarbeit ist wie oben erwähnt „Fluch“ und Segen: Sie nimmt immer wieder eine subjektive Beobachterposition ein, was gerade vor dem Hintergrund der ganz am Rande ablaufenden Frauenmord-Serie für ein gewisses Unbehagen sorgt.
Großartig sind die Leistungen des Ensembles, allen voran natürlich Sutherland und Christie. Doch auch Massimo Serato und Renato Scarpa statten ihre Figuren mit Tiefe aus, wenngleich sich diese wie der gesamte Streifen als nicht eingelöstes Versprechen herausstellen wird.

Rating: $$$$

Splatter:

2/10

 

 

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