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Info

OT:
 
La lunga Cavalcata della Vendetta

AT:
Djangos Spur

Jahr: I 1972
R, B: Tanio Boccia (“Amerigo Anton”)
K: Romolo Garroni
M: Carlo Esposito
D: Richard Harrison, Rik Battaglia, Furio Menconi („Men Fury“ *lach), Anita Ekberg 

Quelle: TV (Tele 5)

 

Inhalt

Deborah Carter (Dada Gallotti) hat die elterliche Ranch an die örtliche Eisenbahngesellschaft verscheuert, braucht dafür aber noch das „Go“ von Bruder Jeff (Richard Harrison). Der allerdings schmort noch in einem Kriegsgefangenlager der Yankees. Da die finale Geschäftsabwicklung sowieso nur noch Formsache ist, lassen die Eisenbahner schon mal eine Schubkarre voller Zaster da: 150.000 Dollar, die Begehrlichkeiten wecken.
Jerome (Omero Gargano), ein Angestellter der Carters, steckt die Kunde von Nektar und Ambrosia seinen alten Kumpels, angeführt vom fiesen Montana (Rik Battaglia). Die fangen Deborah ab, als sie den prall gefüllten Sparstrumpf zur Bank bringen möchte. Vergewaltigung und Mord – unter gestandenen Bandidos als Freizeitgestaltung nicht unüblich – muss leider auch Deborah über sich ergehen lassen. Das wiederum trübt die Laune des inzwischen aus dem Norden heimgekehrten Jeffs entscheidend ein.
Da Schwesterleins Leiche mit einem verräterischen Poncho – Jeromes nämlich – abgedeckt war, sind die Identitäten der Schurken rasch eruiert. Zusammen mit seinem alten, treuen Vormann Tom (Furio Menconi) macht sich Jeff ans Abhaken der Liste.

Zitate

Du kennst das Gesetz: Bei uns wird alles mit allen geteilt, auch die Frauen“ (Montana – der Paragraphenreiter unter den Banditenbossen)

Ich werde vor Vorfreude nicht in den Schlaf finden.“ (In Carlos (Emilio Vale) steckt ein wahrer Poet)

Montana:
„Musst du mich jetzt einlochen, Sheriff?“ – Jeff: „Das wäre zu einfach, Montana. Außerdem müsste ich danach das ganze Gefängnis entlausen, wenn ich dich da drin behalten würde.“

Jeff: „Gut, du hast Mitleid für Deborah empfunden. Das empfinde ich auch für dich. Deswegen gebe ich dir jetzt Zeit für dein letztes Gebet.“

Montana: „Du kannst dich sonnen; ich gehe solange essen.“ (Zu Jeff, der angepflockt in der prallen Sonne liegt, aggressiven Ameisen ausgesetzt)

Die Kritik des Aasgeiers:

Billiger Langeweiler aus der Spaghetti-Spätphase und X-ter Aufguss des ewig Gleichen. Die uninspirierte Aneinanderreihung typischer Spaghettiwesternszenen wird unterstrichen durch hölzern agierende Schauspieler, denen man die Lustlosigkeit an diesem Streifen zum Teil richtig ansieht. Und deren Dialoge (wie sich die stereotype Phrasendrescherei schimpft) obendrein noch uncharismatisch synchronisiert wurden.
Gewürzt mit Logikfehlern, entfaltete das Machwerk seine Höhepunkte hauptsächlich dann, wenn es unfreiwillig komisch wird. Ganz großes Kino ist z.B. das Pferderennen, in dem Carlos mit allerlei Kopfdrehungen erfolglos versucht, die Krempe seines übergroßen Hutes, die ihm der Gegenwind ständig ins Gesicht klappt, aus dem Sichtfeld  zu bekommen. Nach dem Film musste ich erst mal googeln, ob Amerigo Anton ein noch unbekanntes Pseudonym für Kulttrasher Fidani ist. Es steht aber für Tanio Boccia, der in seiner Regiekarriere hauptsächlich Sandalenfilme und Italowestern durchschnittlicher oder minderer Qualität und heruntergekurbelt hat.
Pluspunkte gibt‘s für durchaus passable Musik, die mit E-Gitarren, Holz- und Blechbläsern typische Spaghettikost liefert. Leider aber wurden die Musikstücke teilweise völlig unpassend eingesetzt. So wird etwa die ohnehin schon relativ lahmarschig inszenierte Verfolgung von Deborah durch Montana und seine Schergen noch mit einem melancholisch-meditativen Oboen/Horn-Thema unterlegt, was der Szene spanungsmäßig schlicht den Rest gibt.

Die Kritik des Gunslingers:

Unter Tanio Boccias Italowestern ist mutmaßlich „Die sich in Fetzen schießen“ (1967) am bemerkenswertesten. Den drehte dann Cesare Carnevari drei Jahre später durch den Psychedelic-Reißwolf und schuf den fulminanten „Willkommen in der Hölle“.
 „Djangos blutige Spur“ reiht sich dagegen ein in die lange Reihe der Filme mit Django im Titel, aber ohne Django drin, sowie in die gegen Ende des Genres besonders verbreitete Gurkigkeit. Immerhin hat sich die erstaunlich zurückhaltende Synchro nicht dazu verleiten lassen, Jeff kurzerhand in Django umzurubeln. Das wäre ja nicht das erste Mal gewesen.
Bemerkenswert und gleichzeitig der entscheidende Schwachpunkt ist die Struktur des Films: Wer gleich mit dem Höhepunkt aufmacht – hier dem Showdown zwischen Jeff und Montana – und seine Geschichte danach als Rückblende erzählt, braucht sich über Schiffbruch nicht zu beschweren. Vor allem dann nicht, wenn man gar nichts mehr anzubieten hat.
Atmosphärisch ist’s immerhin nicht ganz in die Beinkleider gegangen: Obwohl in der Nähe von Rom und nicht in Spanien entstanden, gibt’s eine Menge Staub und Dreck und einige gute Kamera-Shots. Darauf hätte man aufbauen können, doch wirkt die gesamte Komparserie wie frisch aus dem Kostümfundus eingekleidet, Schublade „Western“. Seltsam steril wie auch die Interieurs. Mal abgesehen davon, dass die Kanonen, mit denen ordentlich rumgeballert wird, wohl fast alle deutlich später am Start waren als bereits 1865, dem Jahr, in dem der Streifen spielen soll.
Der Cast ist in den Hauptrollen adäquat besetzt. Der erste Auftritt von Western-Schnauz Richard Harrison – übrigens in seinem letzten Italowestern – hat bei mir aber Stirnrunzeln hervorgerufen. Sturztrunken, auf einem Eselskarren, nur bekleidet mit Uniformhose und zerrissenem Unterhemd, hat das schon fast was „Nobody“-artiges. Völlig unpassend. In der Schurkenriege überzeugen – natürlich – vor allem Rik Battaglia und George Wang. Leider haben sie viel zu wenig Screentime und damit Präsenz, um ein Gegengewicht zu Richard Harrison zu bilden.
Den für meinen Geschmack absoluten Downer bildet ein brunzlangweilig inszeniertes Pferderennen, das ja bereits der Aasgeier besonders „lobend“ erwähnte: Emilio Vale und Richard Harrison galoppieren auf ihren Zossen hinter der Kalesche von Anita Ekberg her. Am Ende beißt Vale als einer der Schwestermörder ins Gras, doch geschieht dies seltsamerweis‘ offscreen. Keine Ahnung, ob hier der Schnitt was verbockt hat.
Ganz grauenvoll ist der Score, der zwar ein noch passables Titelthema anbietet, aber ansonsten in seinen schwärzesten Momenten eher an Weichgespültes von einschlägigen Radiosendern gemahnt. Die Untermalung des Seniorentanztees im „Western-Style“ sozusagen. Gruselig.

Rating: $+ (AG) / $$ (GS)

Bodycount:

ca. 10 Mexikaner; 1e Frau; 8 Gringos

Explizite Brutalitäten:

  • Montana und seine Kumpels vergewaltigen und erschießen Deborah.
  • Montana vergewaltigt die Frau eines seiner Bandenmitglieder vor dessen Augen, damit dieser lernt, dass man ALLES mit den Jungs teilt.
  • Die Montana-Crew pflockt Jeff in der prallen Sonne an und überlässt ihn den Ameisen

Liebe:

Zwischen Jeff und Jane funkt‘s ein bisschen. Ob die beiden aber eine gemeinsame Zukunft jenseits des Abspanns haben, oder das Techtelmechtel lediglich der Triebabfuhr diente … Quien sabe? 1/10

Splatter:

0/10

Spezialitäten:

  • Jeff wirft auf die Leichen der Männer, an denen er sich gerächt hat, einen Fetzen des roten Ponchos, mit dem einst die Leiche seiner Schwester zugedeckt war.
  • Tommy benutzt eine Schleuder, mit der er seine Feinde zur Strecke bringt