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Keoma - Melodie des Sterbens

Info

OT: 
Keoma
AT:
Keoma
Keoma - Melodie des Todes
Keoma - ein Mann wie ein Tornado
Coolman Keoma (D, Videofassung) (outsch!)

Jahr: I 1976
R:
Enzo Girolami ("Enzo G. Castellari")
B:
Luigi Montefiori, Nino Rolli, Nico Ducci
K: Diage Parolin
M: Guido & Maurizio de Angelis
D: Franco Nero, Donal O'Brien, Olga Karlatos, William Berger, Woody Strode, Orso Maria Guerrini, John Louis Loffredo ("Joshua Sinclair"), Antonio Marsina

Quelle: TV (arte)

 

Inhalt

Kurz nach Ende des amerikanischen Bürgerkriegs kehrt Halbblut Keoma (Franco Nero) nach Hause zurück. Doch er betritt eine wüste Welt: Pocken und Cholera feiern fröhliche Urständ', und um die Sause perfekt zu machen, wird das sterbende Städtchen von Ex-Offizier Caldwell (Donal O'Brien) und seinem Mob beherrscht. Die Mobster haben die Stadt von der Außenwelt isoliert und lassen weder Medikamente hinein, noch Menschen hinaus. Die Aussätzigen werden in einer alten Goldmine festgehalten, um dort auf den Tod zu warten. Der noch gesunde Rest vegetiert apathisch vor sich hin, wie Keomas alter Kumpel aus Kindertagen, Ex-Sklave und Neu-Alkoholiker George (Woody Strode).
Als Keoma die schwangere Lisa (Olga Karlatos) aus den Fängen der Caldwell-Gang befreit, beginnt die Uhr zu laufen. Keomas Stiefbrüder (Orso Maria Guerrini, Joshua Sinclair, Antonio Marsina), die Dienst bei den Caldwells schieben, sehen nun die Gelegenheit gekommen, um den ungeliebten Bruder loszuwerden. Doch der ist aus hartem Holz geschnitzt und findet zudem die Unterstützung seines Vaters Will (Will Berger) und des wiedererstarkten George. Die Dinge kommen ans Laufen, und am Ende kann's nur einen geben.

Die Kritik des Gunslingers:

Im allgemeinen hochgelobtes Werk von Enzo Castellari, der sich 1976 bewusst an Vorbildern wie Sam Peckinpah orientierte. Ich selbst war ein wenig enttäuscht: Zwar wartet der Film mit vielen guten Einfällen - wie die geschickt eingearbeiteten Rückblenden - ungewöhnlichen Kameraeinstellungen - ich denke da nur an das "Vierfingerspiel" - sowie einer schön düsteren Atmosphäre auf. Doch letztendlich nervt der mythische, fast schon biblische Touch, den Castellari ins Spiel bringt: Denkt nur an die "Kreuzigungsszene"! Außerdem nutzt sich der Effekt, Gewalt durch den Einsatz von Zeitlupe zu illustrieren, durch deren exzessiven Gebrauch ab. Hier wurde offensichtlich auf "Meisterwerk" oder "Kultfilm" hingearbeitet. Noch ein Wort zum Score der Brüder de Angelis: Prinzipiell gelungen, aber das Sängerpärchen, das die gesamte Handlung wie ein schiefer griechischer Chor begleitet, ist nicht jedermanns Sache.
Na ja, aber dennoch zählt "Keoma" unzweifelhaft zu den 50 besten Italowestern, nur lag die Messlatte hier eben höher als für Werke von beispielsweise Fidani, Brescia, Mauri oder auch Klimovski. Und vielleicht saß mir auch einfach ein Furz quer ... Urteilt selbst!

Die Kritik des Sargnagels:

1976 - der Spaghettiwestern hing vor dem endgültigen Exitus schon mehr oder weniger am Tropf - gelang Enzo Girolami sein persönliches Western-Meisterwerk. Waren seine früheren Streifen meistens unter "Action Top, Story Flop" kategorisiert, bekommt er die 90 Minuten endlich ohne Längen durch. Mit der Geschichte (entwickelt von Luigi Montefiori, am Set aber mehrfach noch umgeschrieben) wagte sich Girolami auf kaum bearbeitetes Terrain: Indianer spielten bis dato im Italowestern eigentlich kaum eine Rolle, Ausnahmen wie Corbuccis "An seinen Stiefeln klebte Blut" (aka "Navajo Joe") bestätigen natürlich die Regel. Glücklicherweise lässt er berühmte filmische Vorbilder wie die deutschen Karl May-Verfilmungen und deren Klischees dabei links liegen und zeichnet dagegen ein Bild des gebrochenen, geknechteten amerikanischen Ureinwohners, dessen Werte dennoch moralisch über denen der christlich geprägten Siedler liegen. Keoma, das Halbblut, wird bezeichnenderweise nicht von Stammeskollegen an einem Marterpfahl, sondern von den eigenen Halbbrüdern an einem Rad gekreuzigt.
Der de Angelis-Score, der in den Lyrics übrigens die Leidensgeschichte Keomas vorweg nimmt, trägt einen Großteil zur trüben, teils apokalyptischen Atmo bei, ist aber wie oben schon erwähnt ziemlich gewöhnungsbedürftig. Mit klassischen Italowestern-Scores von Morricone oder Nicolai hat das rein gar nichts mehr zu tun, was allerdings der Wirkung keinen Abbruch tut.
In den Nebenrollen gastieren mit Donal O'Brian, William Berger und Woody Strode gestandene Spaghettiwestern-Mannsbilder; während Strode seine typische sprach- wie gnadenlose Standardrolle routiniert abwickelt, überrascht William Berger in der Rolle als Keomas Vater. Berger, damals 48-jährig, wurde auf 20 Jahre älter getrimmt - und es funktionierte.
Girolamis Keoma ist vielleicht nicht der beste Italowestern aller Zeiten, aber einzigartig ist er schon. Der Kassenerfolg inspirierte Sergio Martino ein Jahr später zu dem RipOff "Mannaja" mit Maurizio Merli in der Hauptrolle; 1993 kooperierten Girolami und Nero dann nochmals in "Die Rache des weißen Indianers" und führten dort ihren esoterischen Trip fort.

Rating: $$$$ (GS) / $$$$+ (SN)

Bodycount:

ca 56 Gringos plus George

Explizite Brutalitäten:

  • Die Caldwell-Bande reitet johlend einen Pockenkranken nieder, um ihn anschließend zu verbleien. Keomas Kommentar: "Es ist leicht einen umzulegen, der bereits tot ist."
  • George wird angepisst (wörtlich gemeint!) und kriegt dann was mit dem Gewehrkolben auf die Rübe
  • Keoma schleudert einen Mobster an den Haaren aus einem Fenster
  • Caldwells Jungs schleifen Keoma am Pferd hängend durch die Stadt, um ihn anschließend an einem Kutschrad zu kreuzigen

Liebe:

0/10

Splatter:

1/10

 

 

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