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Leichen pflastern seinen Weg

Info

OT: 
Il grande Silencio
AT:

Le grand Silence (F)

Jahr: I/F 1968
R: Sergio Corbucci
B: Vittoriano Petrilli, Mario Amendola, Bruno Corbucci
K: Silvano Ippoliti
M: Ennio Morricone
D: Jean-Louis Trintignant, Klaus Kinski, Frank Wolff, Vonetta McGee

Quelle: DVD (Kinowelt)

 

Inhalt

Der ehemalige Kopfgeldjäger Henry Pollicut (Luigi Pistilli) hat es sich im kleinen Weiler Snow Hill bequem gemacht: Als Bankier treibt er arme Schlucker in die Illegalität und in ein elendes Dasein als Gesetzlose in den umliegenden Bergen. Als Friedensrichter setzt er die Kopfgelder auf die Vogelfreien fest: ein gutes Auskommen für den fiesen Loco (Klaus Kinski) und eine Menge weiterer Kopfgeldjäger, die die Prämien kassieren wollen. Pollicut bleibt nach Vollzug der restliche, karge Besitz der zur Strecke Gebrachten und von Fall zu Fall auch deren Witwe. Im blutgetränkten Schnee von Snow Hill kommt auf der anderen Seite auch ein Gunslinger (Jean-Louis Trintignant) trefflich zurecht, der aufgrund eines Sprachdefizits infolge einer durchschnittenen Kehle nur Silence genannt wird: Für einen Riesen pro Auftrag lässt er sich von rachedürstenden Angehörigen der Ermordeten anheuern und leuchtet dem einen oder anderen Kopfgeldjäger schmerzhaft heim. Als der Gouverneur (Carlo d'Angelo) mit dem aufrechten Gideon Burnett (Frank Wolff) einen neuen Sheriff einsetzt, der im Vorfeld einer Amnestie für die Geächteten Recht und Ordnung wiederherstellen soll, sehen vor allem Pollicut, Loco und die anderen Kopfgeldjäger das Ende der lukrativen Tage nahen. Zwar kann Loco den Sheriff mittels einer Rollkur in eisigem Wasser ausschalten, doch zieht für den Kopfgeldjäger größeres Ungemach herauf: Zwischenzeitlich steht Silence in den Diensten der schönen Pauline Middleton (Vonetta McGee), deren Gatten Loco „versilbert“ hat. Und Pauline will Locos Rübe auf einem silbernen Tablett serviert bekommen.

Zitate

Loco: „Jetzt darfst du deinen Mann mit Schnee bedecken, damit er frisch bleibt bis ich wiederkomme. Er darf nicht begraben werden, bis ich das Geld kassiert habe.“ (Loco gibt der frisch gebackenen Witwe Pauline genaue Handlungsanweisungen)

Burnett: „Augenblick, Mister. Ich darf Sie darauf aufmerksam machen, dass Tote nur in Holz- oder Metallsärgen transportiert werden dürfen. Artikel 15 der Begräbnisordnung.“ (Na, ob sich der Loco künftig dran halten wird?)

Loco: „Den hätt’ ich fast vergessen. Ich hab’ ihn vor zwei Tagen erledigt.“ (Loco buddelt eine weitere Leiche aus dem Schnee)

Pauline: „Er kann nicht sprechen, Sheriff. Er ist stumm.“ – Burnett: „Oh, das wusste ich nicht. Das hätte er mir ja sagen können.“ (Hust!)

Die Kritik des Gunslingers:

Es ist Winter, liebe Freunde, und so hole ich jetzt mal das nach, was an dieser Stelle noch fehlte. Corbuccis zweiter großer Western ist zugleich für meinen Geschmack sein Bester geworden. Während selbst im eigentlich tief pessimistischen „Django“ am Ende ein Hoffnungsschimmer den düsteren Horizont erhellt, so versagt ihn Corbucci hier: Der schwarze Schluss einer Kette von Gewalttätigkeiten steht im krassen Gegensatz zur blütenweißen Schneelandschaft und zeigt keine Perspektive auf. Es bewahrheitet sich die Einschätzung von Kopfgeldjäger Loco, der es in einem Gespräch mit Sheriff Burnett auf den Punkt gebracht hatte. Als dieser vom Aufräumen mit dem Kopfgeldjägerunwesen schwadroniert, entgegnet ihm Loco nur: „Geld wird es immer geben.“
Der Streifen treibt das Streben nach Dollars, ja eh’ nicht unüblich im Italowestern ;-), auf die Spitze. Jeder ist dabei: Der Bankier, der arme Schlucker in die Illegalität treibt, als Friedensrichter Kopfgelder auf die armen Schweine aussetzt, um sich nach Beseitigung an deren Eigentum zu bereichern oder sich deren Gattinen vorzunehmen. Die Kopfgeldjäger, die Menschen ausschließlich als prämienträchtige Ware ansehen: Stark die Kutschfahrt, in deren Verlauf Loco ein paar gefrostete, zwischengelagerte Leichen einsammelt, um diese zu versilbern. Jeder instrumentalisiert das Gesetz, um sich hemmungslos zu bereichern. Bezeichnend ist, dass die einzige integre Figur unter den „Gesetzeshütern“, der Sheriff nämlich, von Loco im Fluss versenkt wird. Nicht viel besser ist allerdings der stumme Gunslinger Silence: Auch er nutzt die Notlage der Geächteten aus, in dem er sich von diesen für 1000 Dollar pro Job fallweise anheuern lässt, um bestimmte Kopfgeldjäger einzudampfen.
Auch schauspielerisch spielt der Film in der obersten Liga: Kinski, diesmal völlig nüchtern, geschäftsmäßig und trotz seines Rollennamens complettamente unwahnsinnig, ist einfach großartig. Und auch Trintignant, der Sprache als Ausdrucksmittel beraubt, holt das Maximum aus seiner Rolle heraus. Erwähnenswert noch Frank Wolff, der als idealistischer Sheriff den Realitäten Tribut zollen muss.
Dazu kommen noch eine tolle Kameraarbeit und ein süß-schwermütiger Morricone-Score, der in erster Linie Streicher, akustische Gitarren und manchmal Chöre zum Zuge kommen lässt.

Rating: $$$$$

Bodycount:

ca. 30 Gringos, ca. 6 Frauen

Explizite Brutalitäten:

  • Silence pflegt seinen Gegnern die Daumen abzuschießen
  • Loco „befragt“ einen Outlaw mit Hilfe der Peitsche nach einem weiteren steckbrieflich Gesuchten, anschließend legt er ihn trotz gegenteiligen Versprechens um
  • Loco killt einen weiteren Geächteten, dem er das Leben versprochen hat
  • Pollicut und sein Gehilfe (Mario Brega) nehmen sich den schwer verwundeten Silence und Pauline vor, was ihnen aber nicht allzu gut bekommt
  • Die Kopfgeldjäger exekutieren die gefesselten Kleinkriminellen im Saloon

Liebe:

Pauline liebt Silence, doch Wärme hat in dieser Eiseskälte keine Chance: 1/10

Splatter:

3/10

Spezialitäten:

Silence besitzt eine automatische Mauser-Pistole. Er geht immer gleich vor: Der Provokation seines Opfers folgt wahlweise das Abschießen der Daumen oder das Umlegen. Notwehr, liebe Freunde ;-)

 

 

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