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Rote Sonne der Rache, Die

Info

OT: 
La Banda J.S.: Cronaca criminale del Far West
AT:
Los Hijos del Día y de la Noche

Jahr: D/I/SP1972
R:
Sergio Corbucci
B:
Mario Amendola, Adriano Bolzoni, S.C.
K: Alejandro Ulloa
M: Ennio Morricone
D: Tomas Milian, Telly Savalas, Eduardo Fajardo, Susan George, Werner Pochath, Herbert Fux, Dan van Husen, Laura Betti

Quelle: VHS (VPS)

 

Inhalt

Strauchdieb Jed Trigado (Tomas Milian) ist ein ganz ausgebufftes Bürschel. Da er statt Peones auszuquetschen lieber den Reichen etwas abknöpft, hat er grundsätzlich Zoff mit der Justiz, jedoch auch einen Stein bei der Landbevölkerung im Brett. Vor allem der gnadenlose Sheriff Franciscus (Telly Savalas) möchte den umtriebigen Ganoven eher tot denn lebendig vor den Richter schleppen. Über ein paar "alte Bekannte" von Jed kommt er auf dessen Spur und stellt eine Falle; Jed allerdings riecht den Braten und kann flüchten.
Dabei läuft ihm die gerade verwaiste Sonny (Susan George) über den Weg, die unverheiratet nach dem Verlust des Vaters sich nichts sehnlicher wünscht, als sich Jed anzuschließen und bei ihm in Lehre zu gehen. Der hat anderes im Sinn, aber nach dem er sich von Sonnys Jungfräulichkeit überzeugen lassen musste, kommt ihm die Moral. Zuerst ziemlich unwillig schleppt er die Postpubertäre mit sich herum, die sich in mancher Situation überraschend als verlässlich zeigt. Mit der Zeit wächst jedoch die Zuneigung, die gar in eine Ehelichung mündet.
Franciscus bleibt den Beiden gefährlich auf den Fersen; als es wieder zur Konfrontation kommt, verliert er dabei sein Augenlicht, seine Hilfssheriffs teilweise mehr als das. Jed und Sonny scheinen ihren Verfolger los zu sein; als sie sich mit dem Großgrundbesitzer Garcia (Eduardo Fajardo) anlegen und dessen Frau entführen, kommt es zu Spannungen beim Gangster-Pärchen. Die frisch Vermählten trennen sich - zum schlechtesten Zeitpunkt, denn Garcias Lynchmob hat die Fährte aufgenommen...

Zitate

"Ich kenne nur ein Gesetz, mein Eigenes. Und das heisst: 'Essen, um zu leben. Leben, um zu essen.' " (Philosophische Basics)

"Wer schnell gibt, gibt doppelt. Steht schon in der Bibel." (Wer will da noch zweifeln?)

Die Kritik des Sargnagels:

Nachdem Sergio Corbucci Ende der Sechziger mit "Mercenario - Der Gefürchtete" und "Leichen pflastern seinen Weg" seine Extreme ausgelotet und dabei auch seinen Zenit beschritten hatte, wandte sich der Maestro von der eisenharten Auslegung des Genres ab und flocht immer mehr Comedyelemente oder Artfremdes ein. Wirkt der darauffolgende "Lasst uns töten, Companeros!" noch durchgehend motiviert, zeichnen sich die restlichen Western-Werke doch durch eine gewisse Lustlosigkeit ab der Hälfte der Spielzeit aus. So leider auch bei der "Roten Sonne" - ein übrigens selten dämlicher deutscher Titel, da auch bei diesem Corbucci eher Siff, Regen und Kälte denn flirrend heiße Wüstenhitze dominieren und eigentlich auch keine Rachemotive (bis auf Franciscus' Augenlicht) vorhanden sind.
Corbucci versucht sich hier an einer eigenwillig romantischen Love-Story und scheitert damit in weiten Teilen. Susan George ist ein hübsch anzusehendes Mädel und hatte trotz ihres jungen Alters von 22 Jahren schon einiges an Dreherfahrung mitgebracht (u. a. beim kultigen Brit-Horror-Klassiker "Im Banne des Dr. Monserrat"), als Sonny sehe ich sie - unabhängig vom schauspielerischen Talent - eher fehlbesetzt. Der Rampensau Milian kann sie leider in keiner Szene glaubhaft Contra geben, die beiden Rollen laufen irgendwie parallel nebeneinander her. Der Exil-Kubaner gibt den von ihm über die Jahre entwickelten Charakter des rauhbeinigen, gewitzten Bandido mit (nicht immer sichtbaren) Herz; eigentlich hat er den Jed direkt aus "Lasst uns töten..." mitgenommen, samt Baskenmütze. Apropos Companeros: Iris Berben hat dort eindeutig besser mit ihm harmoniert, gell, Susan? ;-)
Was der gute Corbucci mit seinen Fieslingen angestellt hat, bleibt mir rätselhaft. Mit Telly Savallas und Eddie Fajardo hat er gleich zwei Hochkaräter am Start, die ohne "Eigenverschulden" glattweg fehlzünden. Fajardo hat viel zu wenig Playtime und wird nur spärlich gegen Ende als Widersacher eingeführt. Und Telly? Wird gar vom Skript durch seine Erblindung "enteiert" und dackelt ab diesem Zeitpunkt mit Sonnenbrille - aber ohne sein ausgeprägtes Minenspiel - der Musik hinterher. Mitleidserregend.
Die Nebenrollen sind wenigstens gut gewählt und mit deutschsprachigem Personal reichhaltig besetzt: Werner Pochath, Herbert Fux und Dan van Husen sorgen mit ihren Charakterschädeln wenigstens für atmosphärische Kulisse, haben sogar einiges an Dialog.
Was "Die rote Sonne" vor dem Vollverriss rettet: Der Streifen liefert, wie nicht anders gedacht, die Corbucci-üblichen Grundstandards. Da gibts deftig vor den Latz, die Revolverschwinger fallen um wie die Scheißhausfliegen, Anflüge von Moral und Gutmenschentum ersticken stantepede wieder in Sarkasmen. Die Welt ist auch hier für die Protagonisten durchweg feindlich, es gibt keine Refugien zum Rückzug oder Visionen und Ziele. Allejandro Ulloa kurbelte routiniert ohne Sperenzchen die Chose ab; Ennio Morricone ist NIE schlecht, aber auch auf ihn schien die Story nicht gerade inspirierend und ziemlich "adagio".
Fazit: IMO Sergio C.s schwächstes Elaborat an Spaghetti-Ware. Mit "Stetson" gelang ihm Jahre später wenigstens noch ein ordentlicherer Abschied vom Genre.

Rating: $$$-

Bodycount:

nicht nachgehalten

Explizite Brutalitäten:

  • Franciscus und Gang versuchen Jed aus einem großen Haufen Mais per Molotow-Cocktail herauszurösten
  • Jed "angelt" sich von einem Baum aus gekonnt einen Verfolger per Hanfkrawatte

Liebe:

5/10 (Jed und Sonny bieten minutenlanges Zungengenuckel, allerdings auch kräftige Ehestreitigkeiten)

Splatter:

3/10 - für Corbucci-Verhältnisse doch mager

 

 

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