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Silbersattel

Info

OT:
Sella d'Argento

AT:

Silver Saddle (USA/GB)

Jahr: I 1978
R: Lucio Fulci
B: Adriano Bolzoni
K: Enrico Cortese
M: Fabio Frizzi, Franco Bixio, Vince Tempera
D: Giuliano Gemma, Geoffrey Lewis, Sven Valsecchi, Ettore Manni, Aldo Sambrell, Cinzia Monreale, Gianni De Luigi, Licinia Lentini, Donal O´Brian

Quelle: DVD (Best Entertainment, Italowestern Gemma Edition)

 

Inhalt

Der gierige Großgrundbesitzer Thomas Barrett ledert die armen Farmersleut´ mit einer recht schmierigen Masche ab: Er verhökert ihnen Land, das es gar nicht gibt. Wer sich beschwert, bekommt den Geldeintreiber und Killer Luke auf die Fersen geschickt. Zwei dieser armen Tröpfe sind der Farmer Blood und dessen Sohn Roy. Bei einem Zusammentreffen mit Luke trifft´s Daddy Blood mitten ins Herz; der kleine Roy allerdings nutzt überraschend Lukes Unaufmerksamkeit und setzt ihm eine Schrotsalve in den Rücken. Mit dem Gaul des toten Killers, der einen silbernen Sattel trägt, reitet der Kleene einsam und alleine einer ungewissen Zukunft entgegen...
Jahre nach dem "Sündenfall" ist aus dem kleinen Roy ein tougher Gunslinger (Giuliano Gemma) geworden, der seit dem schicksalshaften Tag eine Spur von Leichen hinterließ.
Eines schönen Tages wird ihm über seinen Sidekick Dubletten-Snake (Geoffrey Lewis), der vom Ausschlachten der Habseligkeiten von Roys Opfern prächtig lebt, die Info zugespielt, dass ein gewisser Thomas Barrett wöchentlich auf dem Friedhof eines kleinen Weilers seine Begrabenen betrauert. Zwei Riesen soll der Mord an dem Gutsten bringen, doch Roy will's der Rache halber natürlich umsonst machen. Auf dem Gottesacker erwartet ihn aber nicht der olle Barrett - der nämlich schon selbst unter den Radieschen liegt - sondern dessen präpubertärer Jungspunt Thomas (Sven Valsecchi). Es lauert bereits eine Truppe maskierter Killer, die den Kleinen und Roy gleich mit verbleien möchten. Roy verschafft den Revolverschwingern einen standesgemäßen Abgang, ist aber nicht grade erfreut, einem Spross der Barretts das Leben gerettet zu haben.
Er nimmt sich dennoch seiner an, bemerkt aber schnell, dass die Anwesenheit des Kleinen recht tödlich sein kann. Zudem hetzt ihm der Oheim des Kleinen (Ettore Manni) wegen Kindesentführung das Gesetz auf den Hals. Irgendjemand muss Interesse haben, den Stammhalter und Haupterben der Barret-Penunzen ins Jenseits zu schicken. Dann taucht auch noch der fiese Mexen-Häuptling Garrincha (Aldo Sambrell) auf, der den Kleinen einsackt, um Lösegeld zu erpressen, und auch der handelt nicht auf eigene Rechnung. Roy klemmt sich nun ernsthaft hinter die Geschichte, denn seine Rache und das Wohl des Knaben sind unmittelbar verbunden...

Zitate

Blood Sr.: "Mein Land und all' mein Geld sind weg ... Wovon soll ich jetzt leben?" - Luke: "Warum schickst du nicht deine Frau in den Puff? Die Arbeit ist leicht ... da kann sie was verdienen." (Hätte Blood, der Döskopp auch selbst drauf kommen können)

Die Kritik des Sargnagels:

Ja, das war wohl 1978 der endültige Sargnagel des damals schon schwer darbenden Spaghettiwestern-Genres. Am "Silbersattel" selbst kann´s nicht gelegen haben, denn der ist sogar durchweg anzuschauen, auch wenn er nicht grade ein Quell der Innovation darstellt.
Lucio Fulci, eigentlich eher als italienische Giallo-/Splatter-Ikone bekannt, hatte sich ja schon mit den exzellenten Streifen "Django - sein Gesangbuch war der Colt" und "Verdammt zu leben, verdammt zu sterben" seine Meriten fürs Genre verdient, und kurbelte hier nochmals einen klassischen Revenge-Stoff mit einer ordentlichen Portion Wehmuts-Atmo ab. Giuliano Gemma, selbst schon ein Italowestern-Urgestein, schindet seine müden Knochen wie anno 1965, hechtet, springt, hüpft, kickt und zieht wie zu besten Zeiten. Einige bekannte Gesichter zieren auch die Nebenrollen; Ettore Manni, Donal O´Brian sowie Aldo Sambrell hatten auch die letzten 14 Jahre zuvor einen guten Namen im Business.
Mit dem Amerikaner und Clint Eastwood-Busenspezi Geoffrey Lewis stellte man Gemma einen exquisiten, zwielichtigen Sidekick daneben, der auch eine tragende Nebenrolle nicht verholzt, sondern über Minenspiel sowie "Dialogfähigkeit" den Einstellungen sowas wie unangestrengte Lockerheit verleiht. Leider scheinen mir manche seiner Szenen der deutschen Schere zum Opfer gefallen sein, denn teilweise ist seine Handlungsmotivation einfach nicht nachzuvollziehen.
Ansonsten kann man der Story noch halbwegs folgen, Fulci lässt bei den üppigen Schiessereien voll drauf halten und für Action ist natürlich beim Namen Gemma gesorgt - auch qualitativ. Kamera ist gut, aber fürs Jahr ´78 dann doch schon fast standardisiert zu nennen. Der Score von Frizzi&Bixio, den ich missverständlich zuerst von den de Angelis-Brüdern wähnte, kommt mir fast schon etwas zu poppig rüber, hat aber leider echte Ohrwurm-Qualitäten. Die mit der Zeit nervige Titelmelodie ("Silver Saddle shining in the Sun, no place to goooooo, looking for a friend...") samt seiner Endsiebziger-Käsehobel-Mundharmonika, die auch die Charakter-Melodie von Roy darstellt, geht mir bis heute nicht aus dem Kopp und zunehmend auf den Keks. Verdammt! *lach
Abschließend sei noch vor dem doch viel zu dick aufgeschminkten Happy-End gewarnt, aber das dürfte sich bei einem Streifen, der einen 10-jährigen Dreikäsehoch als Hauptrolle führt, wohl jeder denken können ;-)

Nachbemerkung des Gunslingers:

Ein würdiger Schwanengesang des Italowesterns, den wie die meisten dieser Spätwerke eine gewisse Endzeitstimmung auszeichnet. Das süßliche Happy End wirkt zu angeklatscht, als dass es diesen Tenor brechen könnte. Zwar bieten die Frauenfiguren, also in erster Linie die Saloon-Ladies und Thomas' Schwester Margaret (Cinzia Monreale) positive Identifikationsansätze, doch ansonsten herrscht Tristesse. Vertraute sind Verräter, Freunde nur am materiellen Nutzen dieser Freundschaft interessiert. Gestützt wird dies durch die trüben Bilder, die mit Sicherheit nicht nur Ergebnis der schlampigen Aufbereitung durch Best sind.
In diese Tristesse passt der unübersehbar gealterte Giuliano Gemma als disparater, abgeklärter Gunman: Zwar ist er eigentlich zu alt für die Rolle, denn den 30-Jährigen nimmt man ihm nicht mehr ab, doch gerade dieser Widerspruch ist es, der ihn in die Stimmung aus Verrat und Tücke integriert. Der Rest des Casts bietet gewohnte Klasse: Ettore Manni, der sich im Genre leider häufig weit unter Wert verheizen ließ, als geldgeiler Onkel; Aldo Sambrell ist wieder mal wirklich bedrohlich, und Geoffrey Lewis hat schon der Sargnagel weiter oben entsprechend gewürdigt.
Der Score ordnet bestimmte Themen einzelnen Charaktären zu: So kriegen wir bei Dubletten Snake vor allem Banjo auf die Ohren, während Garrincha ein schön schmissiger Walkürenritt mit Gitarren, Streichern und Trompete begleitet. Roy zieht da mit einem countrifizierten Westcoast-Thema, das dazu mehrstimmig mit knödelndem Leadgesang vorgetragen wird, eindeutig das kürzeste Streichholz. Schön auch die Sounds, die in etlichen Szenen deutlich mit Hall/Echo unterlegt sind. Hoffe mal, das ist kein Artefakt der DVD ;-).

P.S.: Normalerweise hüten wir uns ja vor technischen Besprechungen. Vor der DVD-Fassung der Gemma Collection von (P)Best sei aber ausdrücklichst der Finger gehoben! Es handelt sich offensichtlich um einen Kassetten-Rip (selbst wenn´s ´ne Betacam war, war die schon hinüber...), der dann auch noch durch die Encodierung ordentlich vergewaltigt wurde. Völlige Bleiche in den Farben, Unschärfe bis zum Exzess, Blockartefakte galore, falsches Bildformat und dann auch noch in einer verstümmelten Fassung. Nicht zu vergessen die überdeutliche Asynchronizität in der deutschen Fassung: Die Lippenbewegungen stimmen leider häufig nicht komplett mit dem Gesprochenen überein. Ich bin ja Einiges gewohnt, aber das ist mit Abstand das Mieseste, was mir jemals digital in die Röhre kam. Finger weg und die DVD von Koch Media ziehen.

Rating: $$$$-

Bodycount:

ca. 10 Gringos, ca. 25 Mexikaner

Explizite Brutalitäten:

  • Garrincha lässt den kleinen Thomas anbinden, um ihn per Bullenpeitsche die Fluchtgedanken auszutreiben
  • Garrincha hält auch vor resoluten Mönchen nicht zurück und lässt sie gen Himmel fahren.
  • Doubletten-Snake (Geoffrey Lewis) wird so genannt, weil er mit seiner abgesägten Zweiläufigen immer noch einen nachlegt, meistens den Gnadenschuss.

Liebe:

4/10 (Hach, wenn man zum Schluss sogar noch sowas wie eine neue Familie findet...). Die nett dekolletierte Sheba (Licia Lentini), die so gar nicht an Katzenfutter gemahnt ;-), wird richtig weich bei Männern mit Kind, auch wenn der Roy eh' einen Stein hat im Brett ... bei ihr.

Splatter

2/10

Spezialitäten

Mit Karbid und Wasser gefüllte Feldflaschen geben hervorragende Bomben ab

 

 

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