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Verdammt zu leben - verdammt zu sterben

Info

OT: 
I Quattro dell'Apocalisse
AT:

Prärie des Todes

Jahr: I 1975
R: Lucio Fulci
B: Ennio De Concini, Bret Harte
K: Sergio Salvati
M: Bixio, Frizzi & Tempera
D: Fabio Testi, Lynne Frederick, Michael J. Pollard, Harry Baird, Tomas Milian, Donald O'Brien, Bruno Corazzari, Goffredo Unger

Quelle: DVD (X-Gabu)

 

Inhalt

Kaum betritt der Berufszocker Stubby Preston (Fabio Testi) den Boden im Weiler Salt Flat, führt ihn der örtliche Sheriff (Donald O'Brien) direktamente ins Kittchen. Die Zelle teilt er mit der schwangeren Saloon-Hure Bunny (Lynne Frederick), dem mental verwirrten, Geister sehenden Bud (Harry Baird) und dem notorischen Alki Clem (Michael J. Pollard). Der unfreiwillige Aufenthalt im Knast rettet den Vieren das Leben, denn in derselben Nacht säubert ein vermummter Lynchmob das Kaff von allen kriminellen und störenden Elementen. Tags darauf entlässt sie der Sheriff (Donald O'Brien) wieder in die Freiheit, vermacht ihnen noch gegen Bares ein Pferdegespann und schickt sie mit mahnenden Worten vom Acker.
Die Schicksalsgemeinschaft bleibt zusammen und zockelt gen Süden mit dem Ziel Sand City, eine Spielerstadt. Ohne Waffen sind sie völlig wehrlos und können auch kein Wild jagen; als sie auf den Comanchen Chaco (Tomas Milian) stoßen, der sich den Vieren mit seiner Bewaffnung und entsprechenden Schießkünsten als Nahrungsbeschaffer regelrecht aufdrängt, kommt kurzweilig sogar Freude auf. Chaco macht mit ein paar geschossenen Enten und Karnickeln gut Wetter, doch schon in der kommenden Nacht zeigt er sein wahres Gesicht: Er füllt die Reisegruppe mit Peyote und Schnaps ab und zwingt den vollgedröhnten Clem, den Rest der Truppe zu fesseln. Chaco nimmt ihnen die letzte Habe ab, vergewaltigt Bunny und jagt dem inzwischen wieder nüchternen und schamgeplagten Clem eine Kugel ins Knie, bevor er sich mit dem Pferdekarren von Dannen macht.
Bud und Stubby schleppen von nun an den verletzten Clem auf einer gebastelten Trage durch die Sierra, mit letzter Kraft erreicht der Trupp während eines Unwetters eine verlassene Geisterstadt. Clem verstirbt dort an einer Wundinfektion, und auch Bud setzt sich sang- und klanglos ab.
Von nun an ziehen Stubby und Bunny alleine ihrer Wege, aus der Zweckgemeinschaft ist inzwischen Liebe geworden und das Pärchen will in Sand City heiraten. Unterwegs treffen sie auf Reverend Sullivan (Adolfo Lastretti), einen alten Spezi von Stubby. Zum Glück, denn bei Bunny setzen inzwischen die Wehen ein.
Auf den letzten Drücker erreichen die Drei das Goldsucher-Kaff Altaville in den Rockies, das blöderweis nur von Männern bewohnt ist, von einer Hebamme geschweige denn einem Arzt ist keine Sicht. Schürfer Lemmy (Bruno Corazzari) outet sich als Trigamist, der drei unterschiedlichen Frauen ein Kind angedreht und dementsprechend Erfahrung bei der Entbindung hat. Er hilft Bunny, den kleinen Lucky zu gebären; die Kindsmutter stirbt allerdings kurz nach der Geburt. Ob der Tragik der Ereignisse erweicht das Herz des wilden Haufens von Altaville, gerührt adoptieren sie das Baby. Derweil macht sich Stubby auf, um endlich Rache an Chaco zu nehmen...

Zitate

Stubby: "Tut der Arm weh?" - Chaco: "Du Hundesohn!" - S.: "Das war nur der Anfang. Es wird noch viel schlimmer." (Und wer Fulci kennt, weiß, dass das stimmt)

Die Kritik des Sargnagels:

Auch als es mit dem Italowestern Mitte der 70er final bergab ging, blieb Lucio Fulci dem Genre treu, er drehte u.a. auch noch den letzten "echten" Italowestern "Silbersattel". Doch schon bei "Verdammt zu leben..." ist spürbar, dass sein Werdegang heftigere Pfade einschlagen sollte. Fulci würzte den Streifen mit kernigen Deftigkeiten, die man sonst nur von Corbucci aus seiner harten Phase (von "Django" bis "Leichen pflastern seinen Weg") oder von Marchents berühmt-berüchtigtem "Todesmarsch der Bestien" her kannte. Ebenfalls für einen Italowestern recht ungewöhnlich: Er zeigt dazu eine Love Story zwischen Stubby und Bunny, die sich über die gesamte Spieldauer hin entwickelt. Der Grundtenor des Streifens läuft sozusagen unter dem Motto: Liebe und Freundschaft in Zeiten der Gewalt und Gesetzlosigkeit. Gut möglich, dass Fulci damit ein Statement zu den damaligen italienischen Verhältnissen geben wollte.
Der Mix aus effektvollen Splatteranzen und der Liebelei gelang erstaunlich unkitschig und unterhaltsam, trotz mancher Holperer in der Handlung. Zwischen der Chaco-Sequenz und dem finalen Showdown vergeht zuviel Zeit im Nebenstrang, so dass das Rache-Motiv für eine zeitlang aus dem Fokus gerät und erst zum Schluss wieder arg schnell hochgekocht wird. Auch das in der Geisterstadt mit Clem und Bud zwei der vier Protagonisten fast gleichzeitig aus der Story verschwinden, kommt etwas zu abrupt und nebulös; man rechnet bis zum Schluss, dass Bud vielleicht doch nochmal reinstolpert.
Ein dickes Pfund ist das versammelte Ensemble, bis in die Nebenrollen merkt man da Kompetenz. Fabio Testi bringt den Wandel vom arroganten, selbstverliebten Dandy über den verantwortungsvollen Leader of the Pack bis zum einsamen Rächer richtig glaubhaft rüber. OK, der Charakterzeichnung ordnete Fulci auch manche Handlungslogik unter (s.o.), richtig überflüssige Szenen hat der Streifen dadurch aber nicht. Seine Begleiter, gespielt von Lynne Frederick, Michael J. Pollard und Harry Baird, sind da etwas stereotyper angelegt, machen aber dafür 'nen recht guten Job. Vor allem bei Baird bin ich da überrascht, fiel der bis dato eigentlich nur in der Turbo-Gurke "Ein Hosianna für zwei Halunken" nachhaltig auf, und dabei nicht gerade positiv. Es sollte übrigens Bairds letzte Rolle im Film-Biz sein. Kurze Info noch zu Lynne Frederick (u.a. "Die Rotröcke", "Phase IV"): Sie heiratete 1977 Peter Sellers; als der 3 Jahre später verstarb, erbte sie die Sellers-Millionen und beendete stantepede mit gerade mal 25 Lenzen ihre Filmkarriere. Später verklagte sie Blake Edwards für "Der rosarote Panther wird gejagt" und zockte nochmals 1,5 Mio $ ab. Doch all der Kies brachte ihr letztendlich kein Glück, sie verstarb schon mit 39 an Drogenmissbrauch.
Tomas Milian besetzt eigentlich "nur" eine tragende Nebenrolle und kommt dabei auf knappe 30 Minuten Screentime. Sein sadistischer Späthippie Chaco bleibt aber prägnant kleben, einen ähnlich üblen Charakter hatte er auch in seinen Mafia- und Poliziotteschi-Streifen nicht.
Hinter den Linsen stand Sergio Salvati und brachte seine Erfahrungen als Kamera-Assistent bei Leone mit ein. Der Streifen ist wunderbar fotografiert, da wirken ruhigere Phasen nicht statisch, zudem scheute er nicht ungewöhnliche Einstellungen, z.B. von der Decke herunter oder durch die Spalten von Gartenzäunen. Auch bei schöner Witterung wirkt die Atmo feindlich und düster. Die Arbeit überzeugte wohl auch Fulci, Salvati wurde ab "Verdammt zu leben..." sein Stamm-Kameramann. Der Score stammt aus der Feder des Komponisten-Teams Bixio, Frizzi & Tempera und bietet soften West Coast-Folkrock à la "The Eagles", aber bei weitem nicht so käsig wie drei Jahre später beim "Silbersattel".
Fazit: nicht ganz ohne Macken, das trübt aber wenig, das Positive überwiegt hier eindeutig.

Rating: $$$$

Bodycount:

ca. 30 Gringos und nochmal soviel an Schweizer Siedlern

Explizite Brutalitäten:

  • Ein Lynchmob hinterlässt in Salt Flat einen ganzen Friedhof
  • Nach der Vergewaltigung von Bunny tritt Chaco dem gefesselten Stubby ordentlich ins Gemächt
  • Chaco foltert einen Gesetzeshüter mit dem Messer und der Nadel des Sheriff-Sterns, bevor er ihn endgültig einsargt
  • Stubby nutzt für seine Rache auch sein extrascharfes Rasiermesser

Liebe:

7/10

Splatter:

6/10

 

 

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