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Von Angesicht zu Angesicht

Info

OT:
Faccia a Faccia
AT:

Halleluja - Der Teufel lässt euch grüssen
Halleluja, der Teufel läßt schön grüßen
Zwei links, zwei rechts und Halleluja 

Jahr: I 1967
R: Sergio Sollima
B: Sergio Sollima, Sergio Donati
K: Emilio Foriscot, Rafael Pacheco 
M: Ennio Morricone
D: Gina Maria Volontè, Tomas Milian, William Berger, Nello Pazzafini, Aldo Sambrell, Frederico Boido, Jolanda Modio, Ángel del Pozo

Quelle: DVD (Koch Media)

Poster, Lobbycards etc. von "Von Angesicht zu Angesicht"

 

Inhalt

Professor Brett Fletcher (Gian Maria Volontè) sieht seinem nahenden Tod verbittert entgegen; Zu vieles hat er sich im Leben aus Vernunft und Mutlosigkeit durch die Lappen gehen lassen, nun werkelt die tödliche Tuberkulose an der Lunge; Fletchers einzige Hoffnung besteht im Umsiedeln in den trocken-heißen Westen.
Dort angekommen, lernt er auch stantepede den Menschen kennen, der sein gesamtes Dasein umkrempeln wird: Solomon "Beauregard" Bennett, der gerade als Inhalt eines Gefangenentransports an der Station halt macht, in der auch Fletcher sein Mütchen fristet. Bennett übertölpelt bei der ersten Gelegenheit seine Bewacher und nimmt den Professor als Geisel. Mit einer Kugel in der Schulter und einem völlig untauglichen Wegbegleiter an der Backe gelingt trotzdem die Flucht.
Von nun an sind die Schicksale der Beiden verbandelt; der verletzte Bennett kommt ohne die Hilfe des Professors nicht aus, und ohne die Tips und Ansagen von Beauregard wäre der planlose Fletcher völlig in der Wildnis verloren.
Im Fluchtversteck in den Rockies kommt Bennett dank erfolgreicher Kugel-OP und fürsorglicher Pflege wieder auf den Damm. Überraschend kreuzt währenddessen ein sinistrer Gunslinger namens Charlie Siringo (William Berger) auf und schlägt Beauregard vor, seine alte Gang, die "Wilde Horde", wieder zusammen zu bringen. Der wiederum ist misstrauisch, und lässt Siringo abblitzen, obwohl er selbst schon den Gedanken gefasst hat, die Truppe zu reaktivieren.
Fletcher hat inzwischen Gefallen am abenteuerlichen Leben eines Vogelfreien gefunden und drängt darauf, dass "Beau" ihn mit in die Horde aufnimmt. Gemeinsam sammeln sie die alten Kameraden ein und ziehen sich zur Planung in die Bergfestung der Ausgestoßenen "Piedra de Poco" zurück. Siringo konnte sich zwischenzeitlich bei Bennett Renommé verschaffen und hat sich ebenfalls in die Gang integriert. Ein großer Fehler, denn der Zwielichtige ist in Wirklichkeit Undercover-Agent der Detektei Pinkerton, den gefürchtetsten Verbrecherjägern des Westens. Schon beim nächsten von Fletcher ausgetüftelten Banken-Rip kommt´s zur Katastrophe: Siringo sabotiert das Unternehmen, die Gang wird aufgerieben, Bennett landet im Kittchen, nur Brett gelingt die Rückkehr zu Piedra de Poco. Dort übernimmt er mit einem Handstreich die Führung und entwickelt sich zum gefürchteten und gehassten Bandenchef. Die Behörden machen Beauregard nun ein Angebot, dass dieser kaum ablehnen kann: er soll seinen alten Weggefährten zur Strecke bringen...

Zitate

"Wenn du sowas (Anmerkung der Red.: eine Knarre) in der Hand hältst, hast du natürlich das Gefühl von Kraft, als wärst du allmächtig. Hmmmm, aber ich glaube, da kann man sich sehr täuschen."
(Fletcher hätte sich später besser an seine Worte erinnert...)

"Warum hast du auf der Universität nicht besser aufgepasst? Du weißt ja überhaupt nicht was Gewalttätigkeit ist. Ein Gewaltätiger ist ein Verbrecher, hundert sind eine Bande, aber hunderttausend sind eine Armee. Der Staat darf alles, persönliche Gewalttätigkeit ist kriminell, die muss man versuchen zu überwinden - wenn du aber die Masse dazu bringst, machst du Geschichte." (Fletcher fängt an, seine humanistischen Werte in Frage zu stellen)

"Die Gerechtigkeit die du suchst, die gibt es gar nicht! Willst du das nicht..." (Fletcher) – "Doch! Sie gibt es! Sie gibt es! Sie gibt es, verdammt noch mal!!! Ich weiß es! Ich weiß es! Hast du verstanden?!" (Beauregard vertraut letztlich wieder seinen eigenen Instinkten - mit Nachdruck)

Die Kritik des Sargnagels:

Absoluter Pflichtstoff, ansonsten herrschen Wissenslücken: "Von Angesicht zu Angesicht", Meister Sollimas ambitioniertestes Werk, ist ´ne Granate auf einem Level mit den großen Werken von Leone und Corbucci - und keinen Deut weniger. Selbst den hochgeschätzten Vorgänger "Der Gehetzte der Sierra Madre" stellt er damit in den Schatten, in Punkto Charakterzeichnung konnten sich selbst die beiden großen Sergios sich noch was vom "kleinen Sergio" abschneiden. Die parallel gegenläufige Wandlung der beiden grooooßartigen, unterschiedlichen Hauptprotagonisten Volontè und Milian, deren Entwicklung Sollima immer wieder miteinander konfrontiert und somit neue Ausgangslagen verschafft, hat immanente Auswirkung auf die Dichte und Atmo des gesamten Streifens. Hier muss ausdrücklich mal die Synchro gelobt werden; die Dialoge sitzen, haben Tiefe und kommen nie klischeehaft. Hätte böse in die Hose gehen können, denn die Charaktere sind allesamt nicht Schwarz/Weiß. Sogar William Berger verkommt angesichts der Meisterleistungen von Volontè und Milian nicht zum Statisten, sondern liefert IMO eine seine besten Perfomances on Screen überhaupt, selbst Nello Pazzafini darf trotz seiner beschränkt kleinen Nebenrolle Mehrdimensionalität zeigen.
Gunplay und Shootouts gibt´s galore, und natürlich bis ins Detail ausgearbeitet. Da wird nicht einfach wild losgeballert, da hat jede Kugel Daseinsberechtigung. In dem gesamten Streifen ist eine Menge Gesellschaftskritik versteckt; so z.B. wenn sich die beiden rivalisierenden "Bosse" von Purgatory City gemeinsam wie Waldorf und Stadler aus der Muppet-Show das große Abschlachten auf der Straße anschauen - vom Logenplatz aus. Man macht sich eben nicht mehr die Finger schmutzig ab einer gewissen Machtebene, auch verdeutlicht durch das angewiderte Händeschütteln von Fletcher, als dieser sich die Griffel an der sterbenden Maria mit Blut "kontaminiert". Ach ja, der Fletcher: schlussendlich gibt er den Archetyp eines intellektuellen, rationalen Faschisten ab. (soviel zur damals erst kurz abgeschlossenen italienischen Historie...)
Phantastisches Drehbuch von Donati – es strotzt nur so vor eindrucksvollen Szenen – tolle Handlung, spitze Darsteller – da ließ man sich auch beim Handwerklichen nicht lumpen. Alles auf den Punkt eingefangen, erstklassig geschnitten und von Morricone mit einem seiner allerbesten Scores unterlegt. Da gibt's Tribal-Trommeln, Militärmärsche spielende Kirchenorgeln, Streicher, die einen gregorianischen Chor imitieren, dazu monotone Akkorde scheppernde Wanderklampfen - jede Szene ist individuell unterstrichen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass "Von Angesicht zu Angesicht" mit all seinen Ingredienzien auch außerhalb des Italowestern-Genres punkten kann und IMO cineastische Allgemeinbedeutung besitzt. Hiermit kann man bedenkenlos mal "Artfremden" italienischen Höchstgenuss anbieten, ohne schief angeschaut zu werden. Bombenfeste Topwertung.

Rating: $$$$$

Explizite Brutalitäten:

  • Fletcher lässt einen V-Mann von Pinkerton foltern und gibt ihm selbst noch den "Gnadenschuss"
  • Der Sheriff von Purgatory City (mal wieder richtig schön fiesiglich-blöde: Freddy Boido) kassiert ob seiner Hinterfotzigkeit, Bennett mit einem versteckten Messer abzurippen, eine "freundschaftliche" Ladung Blei in den Ranzen
  • Fletcher vergewaltigt Maria (Jolanda Modio), um deren Lover Vance (Nello Pazzafini) zu einem "Männlichkeitsduell" zu fordern und damit Aufnahme in die Gang zu erreichen
  • Beim Banküberfall gibt´s ne Menge ziviler Kollateralschäden
  • Auch in Piedra de Poco rudern eine Menge Alte, Frauen und Kinder über den Jordan, nachdem ein Trupp Bountyhunter Fletcher ziemlich nahe auf die Pelle gerückt ist

Liebe:

Maria ist nach Fletchers Vergewaltigung sein Mädchen, aber die große Gefühlsnummer ist´s nicht. Und die unsterblich in Beau verliebte "Rinder-Annie" ist halt doch noch um drei-vier Jährchen zu jung für eine Liaison. Deshalb: 0/10

 

 

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