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Zeit der Geier

Info

OT: 
Il Tempo degli Avvoltoi

AT:
Gebrandmarkt

Jahr: I 1967
R: Nando Cicero
B: Fulvio Gicca Palli
K: Fausto Rossi
M: Piero Umiliani
D: Jorge Hill ("George Hilton"), Frank Wolff, Eduardo Fajardo, Pamela Tudor, Femi Benussi, John Bartha, Maria Grazia Marescalchi

Quelle: DVD (Koch Media), DVD (Surf Film)

 

Inhalt

Der smarte Kitosch ("George Hilton") ist auf der Ranch von Don Jaime (Eduardo Fajardo) der Hahn im Korb, sehr zum Missfallen der restlichen Cowboys. Denn Kitosch kuschelt nicht nur mit seiner Geliebten Rubia (Femi Benussi), sondern landet auch immer wieder mal mit den Frauen der Kollegen im Heu. Als Don Jaimes scharfe Gattin (Pamela Tudor) den Lüstling in eine kompromittierende Situation bringt, reißt dem braven Landmann die Hutschnur: Er lässt Kitosch ein Brandzeichen auf den Allerwertesten verpassen und jagt den Unbelehrbaren vom Hof.
Der Geschasste organisiert sich von einem seiner Kollegen ein Pferd, was ihm gleich eine Anzeige wegen Pferdediebstahls und einen Platz im Dorfknast einbringt. Tags darauf macht der berüchtigte, frisch ausgebrochene Gunslinger Josh Tracey (Frank Wolff) dem Kaff seine Aufwartung. Als sich der Sheriff (John Bartha) und seine Gehilfen die ausgesetzten zehn Riesen Kopfgeld sichern wollen, spendiert Tracy allen Beteiligten eine Runde Blei. Kitosch kommt in diesem Zuge frei und schließt sich dem sinistren Killer auf dessen weiteren Wegen an.
Nachdem man Muttis Sarg endlich unter die Erde geschaufelt hat, steht für Tracy die Rache an seiner Ex-Flamme Traps (Maria Grazia Marescalchi) und deren Lover Big John (Franco Balducci) auf dem Plan, die sich für seinen unfreiwilligen Knastaufenthalt verantwortlich zeigten.
Big John hat sich allerdings inzwischen Camaros (Guglielmo Spoletini) Mexen-Bande angeschlossen, um einen Goldtransport zu rippen. Die beiden Kumpels durchkreuzen das Vorhaben mit Hilfe von Tracys selbstgebautem Granatwerfer und sichern sich selbst die Pennunzen. Aber nix ist für ewig, und auch in unserer kleinen Zweckgemeinschaft nagt schon das Spaltteufelchen.

Zitate

Jaime: "Na, bereust du es jetzt?" - Kitosch: "Ich bereue gar nichts. Im Gegenteil. Wenn ich's mir recht überlege, war das Vergnügen mit Lazzaros Frau mindestens sechs Schläge wert." (Kitosch erhöht um zwei Peitschenhiebe, was Jaimes Reitgerte ebenfalls Vergnügen bereitet)

Tracy: "Du Schwein! Du hast mir den ganzen Spaß verdorben! Warum? Warum?" (Coitus Interruptus bei Sadisten)

Tracy zu Kitosch: "Du hast ein zu weiches Herz."

Die Kritik des Sargnagels:

Regisseur Nando Cicero hatte mit Luciano Visconti, Francesco Rosi und Stefano "Steno" Vanzina hervorragende Lehrmeister, denen er in den 50ern als Assistent zur Seite stand. Gelernt ist gelernt - bei "Zeit der Geier", dem ersten seiner drei Italowestern (u.a. auch "2x Judas"), sind auch kaum Schwächen bei der Inszenierung spürbar. Die Story rauscht gut durch und bleibt bis auf Kleinigkeiten logisch, massig Shootouts und derbe Kloppereien inklusive. Dabei wurde viel Liebe zum Detail bei Ausstattung, Kostümierung und Szenenbild investiert, die Chose wirkt zu keinem Zeitpunkt billig oder zusammengeschustert.
Ähnlich wie bei Valeriis "Der Tod ritt Dienstags" bilden ein naiver, geächteter Jungbursch und ein gereifter, ehrloser Gunslinger eine unheilige Allianz.  Nando setzte die Handlung allerdings um einiges düsterer und gewalttätiger um, der Bodycount ist verdammich hoch, und Happy End gibt's auch keines.  Bis auf den Mönch und Kitoschs Gspusi Rubio - funzlige Lichtlein von Anstand und Moral - hat in der Geschichte jeder Dreck am Stecken; auch Kitosch ist kein Opfer der Umstände, sondern hat sich die Suppe zum Teil mit seinen Seitensprüngen schon selbst eingebrockt. Lange bleibt offen, wohin die Reise geht; die Story ist intelligent aufgebaut und nicht vorhersehbar.
Die Rolle des Kitosch passt George Hilton wie die Faust aufs Auge. Hier kann er seine physische Präsenz und Agilität sowie seine schauspielerische Bandbreite ausspielen, vom eitlen Sonny Boy mit großer Klappe bis zum verunsicherten Jungspunt, der seiner gemachten Fehler gewahr wird. Mit der Mischung überzeugte er dann auch zwei Jahre später in "Das Gold von Sam Cooper". Frank Wolffs Tracy fällt dagegen sogar leicht ab, was allerdings nicht an dem hochroutinierten Auftritt des US-Amerikaners liegt, sondern dass man dem Charakter einfach zu viel aufgebürdet hat, da bleibt alles ein bissle Wischiwaschi. Einsamer Rächer, geldgieriger Ganove, manischer Sadist, dazu noch Epileptiker - es wäre besser gewesen, der Rolle etwas weniger zu spendieren, den Charakter dafür aber etwas tiefer zu beleuchten. Wolff haut sich allerdings mit Verve und seinem darstellerischen Erfahrungsschatz in die Bresche und bügelt damit so manche Kante rund. Auch bei den Nebenrollen merkt man, dass nicht einfach blind gecastet, sondern fein ausgewählt wurde. Eddie Fajardo hat als patriarchalischer Großgrundrancher mit der harten Hand wieder eine Paraderolle; Pamela Tudor gibt die hinterfotzige Unschuld vom Lande, die kein Problem hat, ausgemachte Ganoven gegeneinander auszuspielen. Dazu noch mit Spoletini, Scratuglia und Bartha genreerfahrene Bleifänger, die das Ensemble hochwertig vervollständigen.
Ein weiterer Treffer ist die Kameraarbeit von Fausto Rossi. Er arbeitete viel mit Schwenks und nutzte von der Totalen bis zur "Italienischen" das gesamte Spektrum an Einstellungsgrößen. In den Szenen ist dadurch immer Dynamik, selbst in Dialogsequenzen. Die Drehorte in der spanischen Sierra Nevada sind vorzüglich eingefangen, was natürlich für die Atmosphäre einiges an Bonus bringt. Zum Glück, denn damit kommen wir zum größten Malus des Streifens: Piero Umilianis Score ist schlichtweg unpassend, selten hat mich der Sound so genervt. Der luschige lateinamerikanische Schleicher mit der nöligen Trompete, herumeiernden Harp und der gepfiffenen Melodie ist einfach viel zu lahm, ungefährlich und freundlich. Eindeutig Thema verfehlt, dafür gibt's auch deutliche Abzüge in der B-Note.
Schade, denn sonst hätte es für "Zeit der Geier" in die Kategorie Semi-Klassiker gereicht. So ist's leider "nur" eine hoch unterhaltsame Qualitätsstreiflette aus der zweiten Reihe.

Die Kritik des Gunslingers:

Bis sich in Nando Ciceros Westerndebüt die Linie rauskristallisiert, rauschen etwa die ersten 20 Minuten durch. Befeuert durch Umilianis wirklich jöseligen Gute-Laune-Score wähnen wir uns erst in einem klassischen Komödiensetting: Freund Kitosch treibt’s mit der Gattin eines Kollegen (Renzo Pevarello) im Heu, bis der ihn mit der Holzforke Saures lehrt. Bei der anschließend fällig werdenden Züchtigung durch Don Jaime bittet unser Schlitzohr um zwei Schläge mehr als vorgesehen, weil’s der Spaß mit der Perle wert gewesen sei.
Stutzig machen bei aller Juxerei die schon zu Beginn teilweise eingestreuten Deftigkeiten: ein brutales Fäustegewitter, das Kitosch über sich ergehen lassen muss oder auch das Branding, das letztlich die folgenden Ereignisse mit auslöst. Mit Auftauchen des „Schwarzen Tracey“ verabschiedet sich der Scherz leise kompletti durch die Hintertür und weicht einer Düster-Atmo aus Tod und Verrat, die bis zum Schluss Leitstimmung des Streifens ist. Dazu gibt’s ein paar genreübliche Brutalitäten, wobei ich weder das Andübeln an die Türe noch die Glockenfolter so vorher schon mal gesehen hatte (Zwinkern).
Zu den technischen Aspekten dieses Streifens und Besonderheiten des Casts hat sich ja bereits der Sargnagel umfassend und richtig geäußert. Frank Wolff gibt diesmal den düsteren Schmerzensmann: Gewandet und ausgerüstet ähnlich wie Sartana – inklusive Cape und Derringer – ist er im Gegensatz zu letzterem kein bisschen auf Humor gebürstet. Ein nahe am Wahnsinn gebauter Sadist und skrupelloser Killer, der dazu unter heftigen epileptischen Anfällen leidet. Klasse Performance.
Interessanter fast ist allerdings der Charakter von Kitosch, der sich aus Dankbarkeit dem Killer verpflichtet fühlt und dadurch immer schneller in der Abwärtsspirale wirbelt. Obwohl er bis zum Ende aus Loyalität zum Mörder und Schwerverbrecher geworden ist, bleibt er eine der wenigen Figuren, die sich trotz allem ihre Integrität bewahrt haben.
Als kleines Schmankerl zum Schluss und für den Afficionado: Fürs Szenenbild zeichnete Demofilo Fidani verantwortlich.

Rating: $$$$ (SN/GS)

Bodycount:

ca. 40 Mexikaner, 25 Gringos, ein Mönch und zwei Frauen

Explizite Brutalitäten:

  • Um Kitosch die Seitensprünge auszutreiben, wird er von Jaime und seinen Leuten verdroschen, ausgepeitscht und gebrandmarkt
  • Kitosch entkommt knapp einer Lynchpartie
  • Tracy fackelt eiskalt die blinde Traps in ihrem Saloon ab
  • Big John (Franco Balducci) wird von Tracy im wahrsten Sinne des Wortes an die Haustür geschraubt

Liebe:

0/10 Rubia liebt Kitosch zwar abgöttisch und verzeiht ihm auch seine Seitensprünge, nur die Gutste spielt in Kitoschs Plänen überhaupt keine Rolle)

Splatter:

4/10

Spezialitäten:

  • Josh führt zu Beginn nicht nur einen Sarg mit seiner aus dem Massengrab exhumierten Mutter mit sich, sondern scheint’s in jeder Körperöffnung eine Kanone spazieren – inkl. eines vierschüssigen Derringers
  • Josh pimpt seine Doppelläufige mit Gewehrgranaten und reibt damit Camaros Mexen fast im Alleingang auf
  • Kitosch ist nicht nur ebenfalls höllenschnell mit der Kanone, sondern er verpasst seinen Opfern bevorzugt einen Schuss in die Stirn


 

 

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