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Staubig, hart, erbarmungslos - Interview mit Zacharias Drosos

(Juni 2007) Mit dem Western „No Mercy for the Hunted“ realisierten Zacharias (28) und Vassilis (26) Drosos ihr erstes großes Filmprojekt. Nach langer Suche haben sie nun einen Vertrieb für ihr bereits vor drei Jahren entstandenes Werk gefunden: Der Film erschien zum 1. Juni 2007 als Bonus-DVD zur X-Gabu-Veröffentlichung „Galgenvögel sterben einsam“. Film Maniax unterhielt sich mit Zacharias Drosos, eine Hälfte der „Drosos Productions“.

 

FM: Wer steckt hinter Drosos Productions?

Zacharias Drosos: Ich habe zusammen mit meinem Bruder Vassilis „Drosos Productions“ gegründet, um unsere Leidenschaft fürs Filmen zu unterstützen. Wir sind in Griechenland aufgewachsen und haben eine deutsche Mutter. Während mein Bruder beruflich in Thessaloniki, Griechenland, zugange ist, hat es mich zum Studium und jetzt auch beruflich nach Kiel gezogen.

FM: Was macht ihr in euren „zivilen“ Berufen?

Zacharias Drosos: Vassilis ist Medien-Designer und konnte somit die Erfahrungen aus seinem Beruf auch in unsere Filme einbringen. So hat er die Poster und Cover im Alleingang entworfen und während des Drehs ein Auge auf die Fotografie gehabt. Ich bin von Beruf Zahnarzt und somit eigentlich komplett ungeeignet für jede künstlerische Aufgabe, aber…ich gebe mir Mühe!

FM: Wann habt Ihr die ersten Erfahrungen als Filmemacher gesammelt?

Zacharias Drosos: Ich glaube, ich war neun Jahre alt, als wir beide mit der Videokamera unseres Vaters unsere ersten Filme gedreht haben. Damals konnten wir noch nicht schneiden, so dass wir alles an einem Stück drehen mussten. Das war natürlich alles nur zum Spaß, damals. Nachdem ich aber im Jahr 2000 in Kiel ein Semester lang einen Filmkurs besucht habe, dessen krönender Abschluss das Nachdrehen des finalen Duells aus „Zwei glorreiche Halunken“ war, habe ich begonnen, ernsthaft über das Filmemachen nachzudenken. Es dauerte etwa fünf Sekunden, meinen Bruder zu überzeugen, und das erste Projekt stand in den Startlöchern. In den nächsten Jahren haben wir die Filme „Play for Blood“, „A Question of Honour“ und „Django, Angel of Death“ gedreht. Diese haben wir erst einmal nur Freuden und Bekannten gezeigt, und wir konnten uns so eine kleine Fangemeinde in unserer griechischen Heimatstadt Kavala aufbauen. Das waren unsere ersten Gehversuche, und obwohl wir durch jeden Film mehr Erfahrungen gesammelt haben, würde ich sie heute niemanden mehr zeigen wollen!

FM: Wann wurden eure Planungen für „No Mercy …“ konkret, und wann habt ihr angefangen, sie umzusetzen?

Zacharias Drosos: 2004 beschlossen wir, dass unser nächster Film ein Western sein sollte. Damals war ich noch Student. Wir hatten im Sommer also die Semesterferien Zeit, immerhin drei Monate, um das komplette Projekt zu realisieren. Alles steht und fällt natürlich mit einem guten Drehbuch. Im Winter davor haben wir oft telefonisch über den Film gesprochen, aber das konkrete Drehbuch haben wir in einer Woche Anfang des Sommers geschrieben. Das heißt: zwei Brüder, eine Woche, ein Zimmer, eine riesige Pinwand, 10.000 DIN A4-Seiten und kleine bis mittelgroße Meinungsverschiedenheiten! Es folgte die Organisation der Produktion: technisches Equipment, Kostüme, Waffen etc. Da wir nicht sehr viel Zeit hatten, haben wir natürlich auch sehr viel parallel erledigt, wie die Suche nach einer passenden Location und das Organisieren der Schauspieler.

FM: Warum gerade einen Western?

Zacharias Drosos: Unsere bisherigen Filme spielten alle in der heutigen Zeit, aber etwas kam uns immer falsch vor. Dann ist es uns aufgefallen: Eigentlich waren diese Filme getarnte Western. Wir konnten uns dem einfach nicht entziehen.
Für meinen Bruder und mich begann alles mit unserem Vater. Als Fan des US-Westerns hat er uns mitgezogen. Im Alter von sieben Jahren kannten und liebten wir Filme wie „High Noon“, „Rio Bravo“, Die glorreichen Sieben“ oder „Zwei rechnen ab“. Später wandte ich mich vom „richtigen“ Pfad ab und entdeckte die Welt des Italowesterns.
Wir haben versucht, beides zu verbinden. Experten werden viele Details bemerken. Zum Beispiel der Charakter des John Payne ist von der Kleidung her an Gary Cooper in „High Noon“ angelehnt. Allgemein ist Payne der US-Westerner des Films. Im Gegensatz dazu sind Durango und Rocho eher die klassische Spaghetti-Fraktion. Eine Sterbesequenz ist z. B. eine Hommage an Burt Lancaster in „Vera Cruz“. Natürlich ist es ein eigenständiger Film und keine Kopie, weder der Handlung noch der Figuren, aber mit solchen kleinen Sachen salutieren wir vor der Geschichte des Westerns. Der komplette Film ist in Sepia-Farbe gedreht und hat einen sehr „staubigen“ Look - und ich meine damit nicht die Verwendung eines „Old-Movie-Filters“. Wir verzichten auf schnelle Schnitte und geben dem Film einen getragenen Rhythmus. Zusammen mit der von einem befreundeten Komponisten geschriebene Musik soll der Film sehr „schwer“ und „depressiv“ wirken…Es gibt halt kein Entkommen!
Wir waren es zudem einfach Leid, nur schlechte, lieblos gemachte Western aus den letzten Jahrzehnten zu sehen, die das Genre in die Krise ritten. Es fiel immer auf, dass die Leute keine Ahnung hatten - angefangen von den Kostümen bis hin zur Handlung oder den Schauspielern. Es fehlte einfach das gewisse Gefühl, und wir hoffen, dass wir dieses Gefühl trotz der finanziellen und technischen Grenzen rüberbringen können. Natürlich wäre es mit unserem Budget einfacher gewesen, beispielsweise einen Horrorfilm zu drehen, aber wir lieben halt den Western.
Es ist mir an dieser Stelle wichtig zu sagen, dass wir nicht den Anspruch erheben, einen technisch perfekten Film abzuliefern. Wir wissen selber, dass unser Film natürlich seine Schwächen hat, aber… das ganze Filmemachen ist eigentlich nur aus unsere Liebe zum Western entstanden. Wir hoffen also, dass uns die Fans Fehler verzeihen werden und sich einfach nur zurücklehnen, um den Film auf sich wirken lassen.

FM: Wie habt ihr euer Projekt finanziert?

Zacharias Drosos: Natürlich hatten wir etwas Geld beiseite gelegt, da wir wussten, dass dieser Film auf uns zukommt. Man muss aber auch gute Freunde haben, wie zum Beispiel die netten Pferdebesitzer. Das größte Plus unserer Western-Verrücktheit war, dass wir alle Requisiten eigentlich schon hatten. Das heißt, Waffen, Kostüme, Hüte oder Stiefel mussten wir nicht extra besorgen. Alles, was fehlte, haben wir von Verwandten und Freunden zusammengeschnorrt. Die Schauspieler hatten meistens ihre eigene „Grund-Kleidung“ an und wurden von uns nur zusätzlich ausgestattet.
Doch diese Selbstfinanzieruzng hat einen gewaltigen Vorteil: Wir können machen, was wir wollen, wie wir es wollen, wann wir es wollen, ohne jemandem Rechenschaft zu schulden. Somit sind wir frei. Wir machen alles in erster Linie für uns, und falls wir Leute da draußen mit unserer Meinung erreichen können, dann ist das natürlich wunderbar! Sobald man Kunst hauptberuflich macht, muss man Kompromisse eingehen, und das wollen wir auf keinen Fall.

FM: Wo habt ihr gedreht?

Zacharias Drosos: Der komplette Film entstand um die Stadt Kavala, im Norden Griechenlands. Somit ist der Film der erste griechische Western überhaupt! Da meine Familie in Kavala wohnt, hatten wir nur Vorteile: Kurze Wege zu den Locations, so dass kurzfristige Shootings möglich waren, viele Freunde und Bekannte, die mitspielen würden, genaue Kenntnisse der Umgebung und somit gute Locations. Das Wichtigste war natürlich, dass die Landschaft einfach optimal ist für diesen Film. Griechenland im Hochsommer! Warm, trocken, staubig…einfach erbarmungslos.

FM: Wen habt ihr gecastet?

Zacharias Drosos: Wir haben unseren guten Freund Athanasios Kalantzopoulos in den inneren Kreis berufen, der die Rolle des Rocho spielt. Sein Gesicht erinnert etwas an Lee Van Cleef - man beachte die Nase - und somit war er optimal für die Rolle. Er hat aber auch auf der Produktionsebene sehr mitgeholfen. Danach folgten alle unsere Freunde, Freunde von Freunden, Bekannte, Bekannte von Bekannten und natürlich auch ein paar Verwandte.
Bei einem solchen Projekt sagen natürlich alle sofort zu, da sie denken, dass alles nur ein großer Spaß ist und sie für zwei, drei Stunden einfach rumkaspern können. Sobald sie aber bemerkten, dass es um harte Arbeit geht, waren sehr viele sofort wieder weg. Somit mussten wir uns von einigen guten Freunden verabschieden. Auf der anderen Seite haben wir uns über halbwegs Unbekannte gefreut, die auf einmal mit Leib und Seele dabei waren.

FM: Wie liefen dann die eigentlichen Dreharbeiten?

Zacharias Drosos: Man versucht natürlich alles zu organisieren, aber es kommt immer anders als man denkt. Somit waren viele Drehs sehr kurzfristig angesagt, und viele Schauspieler wurden in letzter Sekunde ausgetauscht. Wir haben im Juli und August 2004 gedreht. Da es organisatorisch sehr schwer war, alle Akteure zusammenzubringen, haben wir meistens zwei oder drei Drehtage pro Woche gehabt, an denen sich auch viele witzige Dinge ereigneten, wie gleich am ersten Drehtag, als ein Darsteller nicht erschien. Wir befanden uns schon an der Location und sein bester Freund, der auch mitspielen sollte, versuchte, ihn auf dem Handy zu erreichen. Schließlich fuhren mein Bruder und der Freund total genervt los, um ihn von zu Hause abzuholen. 30 Minuten später waren sie da mit einen leicht besoffenen, total verkaterten Typen, der so aussah, als sei er gerade aus dem Bett gefallen. Er hatte sich natürlich auch entsprechend westernmäßig anziehen sollen, und was machte der Typ?? Er hatte ROTE NIKE TURNSCHUHE an. Ich dachte nur 1. Ich muss seine Füße nicht filmen. 2. Gut, dass wir in Sepia drehen 3. Gut, dass er gleich sterben wird.

FM: Auf was für Material habt ihr gedreht?

Zacharias Drosos: Direkt auf Mini-DV. In Kiel brauchte ich dann im Alleingang etwa sechs Monate für das Schneiden und die Postproduktion. Dafür habe ich mit einem Pentium IV Dual Core PC gearbeitet und den Programmen Adobe Premiere, Adobe Photoshop und Adobe After Effects. Parallel zum Schneiden hat mein Freund Wulf Henning Steffen die Musik komponiert, Szene für Szene. Ich habe lediglich die Gitarren eingespielt.

FM: Wie kamt ihr zu X-Gabu als Vertrieb?

Zacharias Drosos: Ich suchte seit rund zwei Jahren einen Vertrieb, aber es gab immer Probleme. Es gibt nur wenig Labels, die Italo-Western rausbringen, und die meisten verdienen auch nicht besonders viel an diesen DVDs. Auf der anderen Seite haben wir ein großen Fehler gemacht. Unser Film hat eine Länge von 43 Minuten: Das heißt, zu lang für einen Kurzfilm und zu kurz für einen Langfilm. Ich muss zugeben, dass ich es fast aufgegeben hatte, bis ich auf X-Gabu gestoßen bin. Ich hatte bemerkt, dass alle Italo-Western sehr gute Cover hatten und immer reichlich mit Extras bestückt waren. Das musste ein Liebhaber dahinter stehen. Ich hasse es, wenn als Extras immer nur unsinnige Trailer oder Filmographien oder Biographien angegeben werden! Bis jetzt bin ich sehr zufrieden, und alles verlief total unkompliziert und entspannt.
Eins ist mir noch wichtig, zu sagen: Ich habe von dieser Veröffentlichung absolut keinen finanziellen Nutzen. Ich bekomme lediglich ein paar Freiexemplare. Das ist mir aber total egal! Das Einzige, dass ich möchte ist, dass unser Film unter die Leute kommt und dass ein paar Western Liebhaber Gefallen daran haben und wir ein positives Feedback bekommen.

FM: War „No Mercy …“ ein einmaliges Projekt oder habt ihr „Blut geleckt“?

Zacharias Drosos: Das ist ein Verspechen: Drosos-Brothers will be back! Auf dem Level auf dem wir uns jetzt befinden, haben wir alle Möglichkeiten ausgenutzt, die wir hatten. Damit wir mit unserem nächsten Film einen weiteren Schritt nach vorne machen, muss das Budget steigen und alles viel besser organisiert werden. Nebenbei vertiefen wir unser technisches Wissen, um besser zu werden. Eigentlich möchte ich in meinem Beruf nur arbeiten, um Geld für meine Filme zu sammeln. In den nächsten Jahren werdet Ihr sicher von und sehen und hören und… es wird ein Western sein.

Kontakt-Email Zacharias Drosos: z_drosos@yahoo.de
Offizielle Filmseite: www.myspace.com/nomercyforthehunted