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Barton Fink

Info

OT: 
Barton Fink

Jahr: USA/GB 1991
R, B: Joel Coen
B: Ethan Coen
K: Roger Deakins
M: Carter Burwell
D: John Turturro, John Goodman, Judy Taylor, Michael Lerner

Quelle: TV (arte)

 

Inhalt

Barton Fink (John Turturro) ist im New York der frühen Vierziger Jahre einer von vielen ambitionierten jungen Schriftstellern mit einem gewissen Sendungsbewusstsein. Als sein erstes Theaterstück gleich ein Kritikererfolg ist, wird auch Hollywood – immer auf der Suche nach kreativen Talenten – auf den Newcomer aufmerksam.
Fink erhält ein gut dotiertes Engagement beim eher zweitrangigen Capitol-Studio, spezialisiert auf rasch runtergekurbelte B-Actioner und geleitet vom exzentrischen Jack Lipnick (Michael Lerner). Und Lipnick, der scheint’s einen Narren an dem jungen Schriftsteller gefressen hat, erwartet nur eines von Barton: ein Skript für einen Catcher-Film, in dem Wallace Beery* die Hauptrolle spielen soll. Kein literarischer Schnickschnack, sondern Action und Schmalz, und zwar presto.
Barton quartiert sich im „Earle“ ein und bezieht mit seiner Schreibmaschine einen hellhörigen Alptraum von einem Zimmer: keine Fenster, Moskitos und Tapeten, die sich in der brutalen Sommerhitze von den Wänden schwitzen. Fink hat keine Ahnung, was Lipnick überhaupt von ihm erwartet und steigert sich in eine veritable Schreibhemmung, die durch seinen lärmenden Nachbarn auch nicht besser wird.
Letzterer stellt sich als Charlie Meadows (John Goodman) vor, Versicherungsvertreter, und der gutmütige Meadows entpuppt sich dazu als der einzige, mit dem Barton im überdrehten Los Angeles ein paar vernünftige Worte wechseln kann. Stimmt nicht ganz, denn da ist auch noch Audrey (Judy Taylor), Privatsekretärin und Geliebte des in Hollywood gescheiterten und zum Alkoholiker gewordenen Schriftstellers Bill Mayhew (John Mahoney).
Bartons Universum fängt an sich zu drehen: Schreibblockade, Terminstress und ein Mord geben den Takt vor für einen Ritt in den Wahnsinn.

*Der Schauspieler Wallace Beery hatte seine große Zeit in der Stummfilm-Ära und den frühen 1930er-Jahren. Doch zu der Zeit, in der „Barton Fink“ spielt, war er wieder gut im Geschäft.

Zitate

Charlie: „Ach ja, ich habe deine Eltern und Onkel Morry besucht. Sehr nette Leute.“

Barton: „Wir sind Männer! Wir haben gerungen.“ – Bulle (Richard Portnow): „Perverse Sau!“

Mayhew: „Ich fühl' mich, als hätte mir ein Obstpflücker die Eier abgerissen.“

Die Kritik des Gunslingers:

Nach „A serious Man“ ist „Barton Fink“ für mich der verschwurbeltste Streifen der von mir fast kultisch ;-) verehrten Coen-Brüder. Der Film geißelt letztlich die Ausbeutung kreativer Talente durch das kommerzielle Studiosystem.
Den Anfangs- und Endpunkt im Werdegang eines ambitionierten Autors, der sich einfangen lässt, stellen Barton Fink und Bill Mayhew dar. Fink ist der ehrgeizige Schriftsteller mit Sendungsbewusstsein, der seine erste kalte Dusche bekommt, als von ihm nicht mehr und nicht weniger erwartet wird als ein völlig banales Filmskript ohne Ambition oder gar gesellschaftliche Relevanz. Schriftsteller werden zum Eigentum der Filmstudios und kommen – einmal im System – kaum wieder heraus. Als Bartons schließlich doch fertiges Drehbuch von Lipnick extrem ungnädig aufgenommen wird, erreicht er Stufe Zwei: Der Autor bleibt vertraglich mit Haut und Haaren ans Studio gebunden, kriegt aber keine Aufträge mehr. Mayhem ist bereits im Endstadium angelangt: Aus einem ursprünglich hoch geschätzten Schriftsteller ist ein desillusionierter Trinker geworden, der nichts mehr zustande kriegt und dem Gespött der Filmmischpoke ausgeliefert ist.
Der Streifen wird getragen durch ein famoses Ensemble, darunter mit beispielsweise John Turturro, John Goodman oder auch Steve Buscemi, einige aus dem Coen-Stammhaus sozusagen. An dieser Stelle muss ich John Goodman herausheben. Er changiert absolut grandios zwischen bulligem Biedermann und gefährlichem Serienkiller. Wenn er im brennenden Hotelflur die beiden LAPD-Bullen mit der Pumpgun eindampft, lässt ihn das wie direkt aus der Hölle entsprungen erscheinen. Damit sind wir auch schon beim zweiten Höhepunkt: der fantastischen Optik, die nicht nur die 1940er-Jahre authentisch abbildet, sondern auch den permanenten Wechsel zwischen Realität und Gehirnwelt. Der endlos lange Hotelkorridor zum Beispiel, in dem nur die zahlreichen Schuhe vor den Zimmertüren von weiteren Gästen künden. Doch scheint der ganze Laden bis auf Barton, Charlie und zwei Angestellte nahezu menschenleer zu sein. Wenn sich die dicken Tapeten in Bartons Zimmer wegen der unnatürlichen Hitze in dem Bau leise schmatzend von der Wand lösen, hat das zusammen mit dem ekelhaft tropfenden Schwitzwasser-Kleister-Gemisch fast schon was Organisches.
Es bleibt viel Raum für Interpretationen, liebe Freunde. Aus meiner Sicht ist der Streifen eine grandiose Mischung aus Real- und Gehirnfilm, dem es gelingt, einem quälenden Schöpfungsakt Gestalt zu verleihen.

Rating: $$$$$

Splatter:

4/10

 

 

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