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Bronson

Info

OT: 
Bronson

Jahr: GB 2008
R:
Nicolas Winding Refn
B:
Brock Norman Brock, N.W.R.
K: Larry Smith
M: Wagner, Strauss, Bruckner, Verdi, Puccini u. a.
D: Tom Hardy, Matt King, Amanda Burton, Juliet Oldfield, Hugh Ross, James Lance

Quelle: DVD (engl., Magnolia Home Entertainment)

 

Inhalt

Michael Peterson (Tom Hardy) wächst in den 50ern/60ern in den britischen Midlands wohlbehütet auf, vor allem Muttern (Amanda Burton) hätschelt den Kleinen. Doch aus dem Sohnematz wird leider kein Vorzeigesohn, sondern ein berüchtigter School-Bully, der auch mal den Lehrer durch den Klassenraum drischt. Frühe Kontakte mit der Bullerei, Schulverweise, eine Schlachterlehre - all dies bringt Michael nicht in gesellschaftskonforme Bahnen, erst die Ehe mit Irene und die Geburt seines Sohnes sorgen für ruhigeres Blut. Doch die Zeiten in England anfangs der 70er sind hart, so latscht Michael mit einer abgesägten Schrotflinte in eine Postfiliale. Ausbeute: Knapp 27 Pfund und sieben Jahre Bau.
Wenn Resozialisierung vorher schon zum Scheitern verurteilt war, geht sie hier jetzt völlig in die Binsen. Michaels Freiheitsdrang gepaart mit seinem verqueren Gerechtigkeitssinn steht in krassem Gegensatz zum Maßregelvollzug, was vor allem die "natürlichen Feinde", die Wärter, heftigst zu spüren bekommen. Aus den 7 Jährchen werden im Knast aufgrund von latenter Körperverletzung und Widerstands gegen die Staatsgewalt 14 Jahre Freiheitsentzug unter verschärften Bedingungen.
1988 kommt Peterson wieder aus dem Gefängnis frei. Bei Elterns fällt ihm die Decke auf den Kopf; Onkel Jack (Hugh Ross), der sich als Geschäftsführer eines veritablen Puffs verdingt, gewährt ihm Unterschlupf. Michael lernt dort die verführerische Alison (Juliet Oldfield) kennen und lieben, der alte Knastkumpel Paul Daniels (Matt King) verschafft ihm ein Auskommen bei illegalen Streetfighting-Kämpfen und verpasst ihm dabei den Kampfnamen "Charles Bronson". In dieser Nische der Halbwelt lässt sich's für "Bronson" in Freiheit leben, doch als Alison sein Heiratswerben zurückweist, ist er schneller wieder im Bau als gedacht. Zurück in seinem "Hotel" begründet er nun die eigene Legende vom härtesten und gefährlichsten Strafgefangenen, den das Vereinigte Königreich je gesehen hat...

Zitate:


"20 quid? You're having a fuckin' laugh, ain't cha?" (Charlie) - "Oh spare me the Oliver Twist routine, Charlie love. You need to build your audience." (Paul) - "I gave you fuckin' magic in there!" - "Magic? You just pissed on a gypsy in the middle of fuckin' nowhere." - "OK. Where's the next one?"

"Yeah, before I forget... I did come in this world as Michael Peterson, but I come out a more fiercier name: Charlie Bronson."

Die Kritik des Sargnagels:

Mein herzallerliebster Regie-Däne Nicolas Winding Refn (u. a. "Pusher-Trilogie" und "Bleeder") reüssierte mit seinem nach wahren Begebenheiten angelegten "Bronson" nicht mehr in heimischen Landen, sondern machte hierfür rüber auf die britische Insel. Inhaltlich behielt Refn sein Faible für Heftiges und Gewalttätiges aus dem "wahren Leben" (die Geschichte hält sich im groben und ganzen an Tatsachen); in der Umsetzung machte sich ein definitiv höheres Budget und der Wechsel von dänischem zu britischem Personal schon sehr bemerkbar. Qualitativ hat das zum Glück beileibe keine Auswirkungen, stilistisch gravierende. Während Refns dänische Werke, auch ohne echte Dogma-Filme zu sein, sich deren Elemente zu eigen machte und damit ein Höchstmaß an Authenzität und Credibility schufen, gibt's hier pompös orchestrales Augen- und Ohrkino vom Allerfeinsten. Im wahrsten Sinne eine Gewalt-Oper, nicht nur wegen des klassischen Scores mit ausgesuchten Werken von Wagner, Bruckner, Verdi, Strauss und Co. Auch bei der Kameraarbeit von Larry Smith kann man von echter Komposition sprechen. Er spielt mit Raum, Tiefe und Bewegung - und trotzdem immer wieder zentriert "In your Face" - ellenlange Dolly-Fahrten enden in großartigen Einstellungen, für jede Szene wurden perfekte Farben für Wärme und Kälte gewählt. Nachproduktion und Schnitt erinnerten mich gar an in den schon fast psychedelischen Szenen an Terry Gilliams Monty Python-Arbeiten (auch wenn's jetzt von Python-Puristen Schellen hageln wird... ;-) ). Das Spiel mit den Tempi geriet ebenfalls exquisit, der Einsatz von Zeitlupen und Jump-Cuts wirkt schon fast spielerisch.
Waren Refns bisherige Werke eher durchs Brennglas beobachtete Abschnitte des Lebens seiner Protagonisten, widmet er sich hier einer gesamten Biographie. Ohne ordentlichen Hauptdarsteller ist ein Bio-Pic im Grunde schon zu Beginn gescheitert, mit dem Briten Tom Hardy (u. a. "Rock'n'Rolla" und "Layer Cake") landete man aber einen absoluten Volltreffer. Dass der Gutste zum Drehzeitpunkt gerade mal dreißig Jahre alt war und größtenteils Nice Boy-Nebenrollen bekleidete, möchte man nicht glauben. In bester Method-Actor-Manier hat sich der Typ einen Straßenschläger-Body und eine Reibeisenstimme (40er Körnung) antrainiert und dominiert jede Szene des Films. Sein permanenter Wandel zwischen gezwungener Kontrolle und Gewaltexplosion äußert sich in Mimiken und Gesten, die entweder den Vulkanausbruch andeuten oder das Gas wieder langsam wegnehmen oder wiederum sprunghaft von einer Stimmung in die andere wechseln. Das macht ihn nicht ausrechenbar, wodurch er eine latente Furcht beim Zuschauer erzeugt. Als Beispiele seien hier die Klapsmühlen- und die Zeichenstunden-Szene erwähnt, auch die von Hardy in bester Varieté-Conferencier gestalteten Zwischenszenen in einem Kinosaal sind große Klasse.
Weitere Hauptdarsteller gibt es nicht, dennoch geht der Nebencast nicht unter, zu passend wurden die Zeitgenossen Bronsons ausgewählt. Matt King als cool-androgyner Halbwelt-Box-Promoter und Amanda Burton als Mutti machen hier 'nen guten Job, auch die Debütantin Juliet Oldfield gefällt als Lolita-Hure.
Filmisch absolute Grandezza, inhaltlich ziemlich streitbar: Vor 40 Jahren musste auch Kubrick mit seinem "Clockwork Orange" mit der Kritik leben.
Refn steht mit einem Bein schon auf dieser Stufe.

Rating: $$$$$-

Splatter:

4/10 - trotz heftiger Gewaltausbrüche hält sich Refn zurück und deutet vieles nur an.

 

 

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