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Schwarzer Markt der Liebe

Info

OT: 
Schwarzer Markt der Liebe

Jahr: D 1966
R, B: Ernst Hofbauer
K: Günther Knuth, Andreas Demmer, Ricci Wehmayr
M: Frankie Valdor, „Bongo Tobby“ (Bongo-Solo während der Drogen-Party)
D: Claus Tinney, Rolf Eden, Tilly Lauenstein, Uta Levka

Quelle: DVD (Pidax/Ascot Elite). Dank fürs Rezi-Exemplar!

 

Inhalt

Harald v. Gröpen (Claus Tinney) und sein Kompagnon Rolf (Rolf Eden) haben ein florierendes Geschäftsmodell entdeckt: Sie kobern per Zeitungsannoncen junge Frauen, angeblich für eine gut bezahlte Tanztournee durch den Nahen Osten. Doch anstatt leicht verdiente Pennunzen einzusacken, landen die Babes auf Nimmerwiedersehen in verschiedenen Puffs. Denn Rolf und Harald verscheuern die Damen via Genua an den internationalen Mädchenhändlerring eines gewissen Doucet. Mit von der Partie ist „Gräfin von Gorsky“ (Tilly Lauenstein), die einen Miederwarenladen in Berlin betreibt. Die Gräfin stattet die Mädels vor der Abreise nach Genua mit der passenden Wäsche aus und bedient sich aus dem Damensortiment für ihre eigenen lesbischen Neigungen.
Aber dann unterläuft Rolf und Harry ein Fehler, weil sie den Hals nicht voll kriegen können: Da Doucets Konkurrent Lemaire (Omero Antonutti) mehr Kies bietet, brechen sie kurzerhand den Vertrag und geben die Ladies in Lemaires Hände. Das passt wiederum Doucet nicht: Lemaire wird mit einer Ladung Blei ausgeschaltet, und Doucet pocht jetzt mit Hilfe gedungener Killer auf Vertragserfüllung.
Für Rolf und Harry wird die Luft nun merklich dünner, da für den nächsten Transport noch Mädchen fehlen. Und auch die Gräfin wird allmählich ungehalten, weil sie schon lange nichts Vernünftiges mehr zum Spielen hatte. Eine geeignete Kandidatin wäre die unschuldige Karin (Astrid Frank), Freundin von Haralds Gspusi Uta (Uta Levka), die ebenfalls ab und an mitmischt bei den sauberen Geschäften. Man arrangiert also eine Drogenparty, um die Ärmste gefügig und transportreif zu machen.

Zitate

Harald: „Wenn du noch einmal so laut brüllst und so dämlich dazu, dann schlag ich dir die Schnauze ein. Dann kannst du Marihuana oder Heroin als Kautabak schlucken.“

„Wenn du nicht bald die Schnauze hältst, schlag ich dich zusammen, dass dich deine eigene Mutter nicht erkennt.“ (Harald praktiziert die hohe Kunst des Flirtens)

Die Kritik des Gunslingers:

Der Schweizer Produzent Erwin C. Dietrich, der mit Heimatfilmen begann, arbeitete sich über Krimis nach Edgar-Wallace-Strickmuster zunehmend in Richtung Exploitation-Film vor, wo er dann seine Heimat fand. „Schwarzer Markt der Liebe“ und der ein Jahr später entstandenen „St. Pauli zwischen Nacht und Morgen“ markieren hier die ersten Wegpunkte.
Mit der Regie betraut war Ernst Hofbauer, der nach einem Tatsachenroman in der Neuen Revue auch das Skript verfasste. Hofbauer, dem Nackedeifreund beispielsweise als Regisseur der „Schulmädchen-Report“-Reihe geläufig, legt hier einen nach geradezu hochmoralischen Streifen vor, wenn man so will, ohne den Exploitation-Afficionado vor den Kopf zu stoßen (Zwinkern). Der Film zeichnet das Bild einer verkommenen, abgestumpften Gesellschaft, deren Lustbarkeiten immer extremer sein müssen, um noch irgendetwas hervor zu rufen. Es geht eh nicht um Gefühle, sondern um reine Triebabfuhr und die Befriedigung materieller Gelüste.
Der nicht immer ganz konsequente Streifen besteht aus zwei weitgehend separaten Teilen. Während die Genua-Episode noch in bester Manier Euro-Thriller-Luft atmet, entspinnt sich in Berlin zunehmend ein düsteres Drama. Hier begleiten wir Harald und Rolf bei der Verrichtung und Organisation ihrer schmierigen Geschäfte und dürfen beobachten, wie sie das Netz um die ahnungslose Karin immer enger ziehen. Die Atmo ist bei allem Sixties-Flair düster und irgendwie trostlos; Spaß wirkt gezwungen oder ausschließlich zweckorientiert.
Schauspielerisch ist das Ganze mit Abstrichen sehr solide geraten. Besonders Claus Tinney, der mir vorher fast kein Begriff war, brilliert als amoralische, brutale Drecksau mit Hang zum Weinerlichen. Wie er seine italienische Geliebte Rosanna (Karin Field), die ihm zudem den Arsch rettet, an die Wand fahren lässt und ihrem brutalen Ehemann (Rico Peter) ausliefert, ist schon groß. Rolf Eden: toll als schmieriger Rolf, und auch Tilly Lauenstein ist wirklich klasse als lüsterne „Dame“auf der fast verzweifelten Jagd nach körperlichen Genüssen.
Die Mucke stammt von Frankie Valdor, der seine insgesamt vier Scores allesamt für Dietrich-Produktionen verfasste. Hier kriegen wir in erster Linie treibenden bis schwülen Orchestersound mit Orgel und Posaune auf die Ohren, in das sich sogar mal ein 1:1-James-Bond-Ripp einschleicht. Stimmlich war Nana Gualdi beteiligt, deren größter Erfolg die deutsche Coverversion eines Doris-Day-Songs im Jahr 1958 war.

Rating: $$$$

Splatter:

2/10

 

 

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