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Info

OT: 
La Tuile à Loups

Jahr: F 1972
R: Jaques Ertaud
B: Henri Grangé
K: Charlie Gaëta
M: Betty Willemetz
D: Paul Le Person, Pierre Guéant, Gérard Derrière, Marie-Hélène Dasté

Quelle: DVD (Pidax). Dank fürs Rezi-Exemplar!

 

Inhalt

Frankreich ächzt unter dem härtesten Winter seit 1956. Besonders hart hat’s das Zentralmassiv erwischt: Hier ist das Dorf La Jassaix bereits mehr als drei Monate lang unter Schneemassen begraben und immer wieder von der Außenwelt abgeschnitten.
Nun sorgt auch noch der etwas kauzige Alex Ravenel (Paul Le Person) – Heiler, Knocheneinrenker und Weiser – für Unruhe. Im Dach seiner Butze nämlich ist ein sogenannter Wolfsziegel verbaut. Fängt der an zu pfeifen, so werden einer alten Legende nach Wölfe den Weiler heimsuchen, um zu jagen. Und eben das hat er eines Nachts getan, laut und lange gepfiffen nämlich. Zwar glauben die meisten Einwohner nicht an solche Geschichten, zumal in Frankreich kaum noch Wölfe leben.
Der lange Winter mit seinen Schneestürmen und Stromausfällen sorgt jedoch für ein dünnes Nervenkostüm allenthalben. So hat Bürgermeister Quiton (Charles Charras) alle Mühe, die aufkeimende Furcht in den Griff zu kriegen und durch Fakten zu überzeugen. Und dann sind sie tatsächlich da, die Wölfe. Erst erlegt der junge Tirette (Pierre Guéant) einen Einzelgänger; aber bald sind es mehrere Rudel, die sich anschicken, in La Jassaix einzufallen.

Zitate

Ravenel: „Ein Wolf ist mehr als nur ein Wolf.“ (Tja …)

Pfarrer (Martin Trévières): „Es gibt keine ‚verfluchten‘ Tiere. Sie sind alle Geschöpfe Gottes.“

Die Kritik des Gunslingers:

Fürs Fernsehen inszenierte Jacques Ertaud diesen Mix aus Drama, Milieustudie und Tierhorror. Der Streifen beschreibt in seinem ersten Drittel das Leben in dem kleinen Dorf, reißt den Konflikt Tradition und Moderne an oder auch Mensch und Natur. Wir sehen die Kinder beim Unterricht in der winzigen Dorfschule, beobachten die männlichen Bewohner in der einzigen Kneipe beim Schoppenschlürfen.
Rasch kristallisieren sich zwei Fraktionen heraus: Auf der einen Seite Bürgermeister Quiton, der wie die meisten Einwohner fest im Jahr 1972 steht und die „alten Geschichten“ als Mumpitz abtut. Auf der anderen Seite Ravenel, seine Familie und noch zwei, drei andere Dörfler, die fest an die Geschichte des Wolfziegels glauben. Sie haben einen schweren Stand im Ort, sind als Spinner verschrien. Als sich dann die Anzeichen mehren, dass sich die Wölfe nähern, ist es lustig zu sehen, wie schnell die vermeintlich aufgeklärten Dörfler die Seiten wechseln.
Mittler zwischen den „Fronten“ ist der sehr geerdete Pfarrer. Er erkennt, dass das Phänomen des Wolfsziegels nicht auf übernatürlichen, wohl aber auf handfesten meteorologischen und biologischen Gründen fußt. Weht der Wind nämlich längere Zeit in bestimmter Stärke aus einer bestimmten Richtung, pfeift nicht nur der Ziegel. Es ist auch das Zeichen, dass die verbliebenen Wölfe im Zentralmassiv aufgrund der Witterung Probleme haben, ausreichend Futter zu finden. Als Resultat suchen sie die Nähe des Menschen. Dringt er natürlich auch nicht so wirklich durch mit, der Gottesmann. So geht seine Haushälterin (Louise Chevalier) mit eher zweifelhaftem Erfolg mit Weihwasser gegen Meister Isegrim vor (Zwinkern).
Für die Horrornacht von La Jassaix verlässt der Streifen das ruhige Fahrwasser. Subjektive Kamera, Großaufnahmen, schnelle Schnitte bei den Wolfsattacken bringen so etwas wie Horror ins Spiel. Der Film verzichtet in weiten Teilen auf musikalische Untermalung und kreiert seinen eigenen Soundtrack aus Sturm- und Windgeräuschen und dem Wolfsgeheul. Am Ende kommt zwar doch noch etwas Mystik ins Spiel, aber es bleibt der Eindruck, dass alle was gelernt haben. In Sachen Respekt voreinander, aber auch vor der Natur.

Rating: $$$+

Splatter:

2/10