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Milano Kaliber 9

Info

OT: 
Milano Calibro 9
AT:

Rocco ... sein Befehl war der Tod (VHS-Titel)

Jahr: I 1972
R: Fernando di Leo
B: Fernando di Leo
K: Franco Villa
M: Luis Enriquez Bacalov, Osanna
D: Gastone Moschin, Mario Adorf, Philippe Leroy, Barbara Bouchet

Quelle: DVD (Koch)

 

Inhalt

Weil er im Knast ein braver Junge war, darf Ugo Piazza (Gastone Moschin) bereits nach drei Jahren wieder ungesiebte Luft schnuppern. Den Aufenthalt im Bau hatte ihm ein dermaßen dilettantischer Raubüberfall eingebracht, dass der ihn verhaftende Commissario (Frank Wolff) fast schon Absicht unterstellte. Wie auch immer, nun ist der Ugo draußen aus dem Knast, aber nicht aus der Scheiße, denn er hat noch angebliche Außenstände in Höhe von 300.00 Dollar, die er „Dem Amerikaner“ (Lionel Stander) schuldet.
Piazza, der für den Gangster arbeitete, steht nämlich im Verdacht, die Penunzen aus einem Devisen-Schmuggel beiseite geschafft zu haben. So hängen dem Frischentlassenen direkt die Emissäre des Amerikaners – Rocco (Mario Adorf) und sein Schlägertrüppchen - an den Rockschößen, um ihn weichzuklopfen. Gleichzeitig setzt ihn der Commissario unter Druck, der hofft, über ihn an den Amerikaner ranzukommen.
Piazza, der vehement den Besitz der verschollenen Dollars abstreitet, wendet sich in seiner Not an den abgehalfterten Ex-Paten Don Vincenzo (Ivo Garrani) und dessen Sohn Gino (Philippe Leroy), einem ausgewiesenen Profikiller. Die helfen ihm zwar, dem aufdringlichen Rocco und seinem Fähnlein Fieselschweif die Gebisse gerade zu rücken, sind allerdings ansonsten auf Abstand bedacht. Der Amerikaner stellt Ugo dann nicht etwa mit einem Betonfuß auf den Grund eines der Mailänder Kanäle, sondern wieder ein. Der besseren Kontrolle halber, und weil er nicht auf die 300.000 Lappen verzichten will.
Ugos erster Job: Der Mord an Don Vincenzo und Gino, die die Gangster des Überfalls auf einen ihrer Geldkuriere verdächtigen. Gino entkommt blöderweis’ dem Mordkommando und startet nun einen Rachefeldzug, bei dem richtig schön geholzt wird, und dann sind da ja immer noch die 300.000 Dollar irgendwo versteckt.

Zitate

„Denk dran, Alter: Wenn’s so läuft, wie wir wollen, darfst du morgen früh wieder aufwachen.“ (Roccos Scherge Pasquale (Mario Novelli) nordet einen verschreckten Nachtportier (Fernando Cerulli) ein)

Nelly (Barbara Bouchet): „Warum kommst du erst jetzt und nicht schon gestern Abend?“ – Ugo: „Ich weiß jetzt, dass ich nicht umgelegt werde. Gestern Abend wusste ich’s noch nicht.“

Rocco: „Luca! Wenn du einen Mann wie Ugo Piazza siehst, musst du den Hut vor ihm ziehen!!“ (Das nennt man Rrrrrrrrrrrrrespect)

Die Kritik des Gunslingers:

Fulminanter italienischer Gangsterfilm und wohl eine der besten Arbeiten Fernando di Leos. Der Streifen ist ein typisches Kind seiner Zeit, was ich sowohl inhaltlich als auch formal meine. So prangert er wie auch etliche andere Filme, etwa „Die Rache des Sizilianers“, unverhohlen die sozialen Missstände an. Hier kommt er explizit auf die prekäre Situation insbesondere der Arbeiter aus dem bettelarmen Süditalien zu sprechen, die als Menschen zweiter Klasse im reichen Norden schufteten. Auch die Rolle der Polizei als Schutz- und Ordnungsmacht, um die Reichen vor den Auswirkungen der sozialen Verwerfungen zu bewahren, wird kritisch beleuchtet. Drittens schließlich nimmt der Film auch das organisierte Verbrechen als Auswuchs der kapitalistischen Verhältnisse und die Verstrickung höchster gesellschaftlicher und politischer Kreise unter die Lupe.
Das ist hier zwar nicht wirklich elegant gelöst: Die verschiedenen Problemkomplexe werden hauptsächlich in manchmal etwas akademischen Streitgesprächen zwischen dem Commissario, als Vertreter des von Studentenunruhen und Streiks zermürbten bürgerlichen Lagers, und einem linken Cop (Luigi Pistilli) abgearbeitet,. Optisch schlagen sie sich dagegen nicht nieder, wodurch kaum auffiel, dass in der alten deutschen Fassung nahezu alle politischen Statements eliminiert waren.
Visuell drückt di Leo dankenswerter Weise kräftig auf die Tube: Schon allein die Sprengung dreier mutmaßlicher Verräter durch Rocco und seine Jungs noch vor dem Vorspann … alle Achtung. Hingelangt wird kräftig, ob nun ein einziger kräftiger Faustschlag ins Gesicht einer Schönen das Genick bricht oder Leute zusammengeschlagen- oder getreten werden. Da ist für alle was dabei und dazu festgehalten durch eine erstklassige Kamera. Genauso erstklassig ist der Score von Bacalov, den die italienische Prog-Rock Band Osanna eingespielt hat. Er reicht von basslastigen, flötifzierten Früh-70er-Clubsounds über feine Streicherarrangements mit E-Gitarren-Untermalung bis hin zu Rock, der an Jethro Tull – sonst eher nicht so meins - erinnert.
Richtig gut gelungen ist auch die Zeichnung der Großstadt-Atmo als natürlichem Biotop von Verbrechen und Laster. So setzt di Leo Mailand als Verbrechenssumpf in Szene, in den nahezu jeder irgendwie verwickelt ist und sei es als Kurier für den Amerikaner. So werden alle Nase lang Koffer und Taschen mit Geld, Hehlerware und Diebesgut, wahlweise auch Dynamit ;-) durch die Gegend getragen; niemand erscheint unverdächtig: vom normalen Reisenden bis zum Bettler auf der Straße. Oberflächlich harmloses Treiben kriegt durch die Kamera eine zweite Ebene.
Richtig wuchern kann der Streifen allerdings mit seinen Darstellern, allesamt und ausnahmslos in Top Form. Allen voran natürlich der lakonische Gastone Moschin, als dicklicher, stoischer Piazza, der offensichtlich kein Wässerchen trüben kann, es aber faustdick hinter den Ohren hat. Der cholerische Mario Adorf, der immer nahe an der Karikatur agiert, durch seine Kunst aber wie ein gefährlicher Springteufel wirkt.
Ich ziehe den Hut und vergebe trotz kleinerer Mängel die Höchstnote.

Rating: $$$$$

Splatter:

3/10

 

 

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