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Ministerium der Angst

Info

OT:
Ministry of Fear

Jahr: USA 1944
R:
Fritz Lang
B:
Seton Miller
K:
Henry Sharp
M:
Victor Young
D:
Ray Milland, Marjorie Reynolds, Carl Esmond, Percy Waram

Quelle: DVD (Koch). Dank fürs Rezi-Exemplar!

 

Inhalt

Klapse statt Knast lautete das Programm für Stephen Neale (Ray Milland), nachdem er angeblich seine Frau auf ihr Verlangen hin ums Eck gebracht hat. Zwei Jahre später kommt Neale raus und möchte zurück in das von den Deutschen bombardierte London. Bis der Zug geht, hat er noch ein wenig Zeit, die er auf dem Wohltätigkeitsbasar einer Stiftung verbringt. Durch eine offensichtliche Verwechslung gewinnt er beim „Kuchenschätzen“ eine Torte, für die es seltsamerweise einige andere Interessenten gibt.
Doch Neale beharrt auf dem Backwerk, das ihm allerdings bereits im Zug mit Gewalt wieder abgejagt wird. Den flüchtenden Dieb (Eustace Wyatt) und die Torte zerreißt aber alsbald eine deutsche Fliegerbombe. In London angelangt, lassen Neale die Geschehnisse keine Ruhe. Seine Recherchen führen ihn in die Zentrale jener Stiftung, die den Basar veranstaltet hatte. Hier lernt er die süße Carla Hofer (Marjorie Reynolds), im Original Hilfe, und ihren Bruder Willie (Carl Esmond) kennen: österreichische Emigranten, die die Stiftung leiten und sich sehr hilfsbereit zeigen.
Aber bald scheint Neale von allen Seiten gejagt: Unbekannte, die ihm an die Wäsche wollen, die Polizei, die ihn wegen Mordes sucht. Hinter den handfesten Unannehmlichkeiten scheint ein Netzwerk von Nazi-Agenten zu stecken, die immer noch hinter dem Inhalt der ominösen Torte her sind.

Zitate

Inspector Prentice (Percy Waram): „Sie hätten die Anstalt nie verlassen dürfen, Mr. Neale.“

Willie: „Mein Fehler ist der, dass ich ein Faible für die Menschen habe.“

Die Kritik des Gunslingers:

Fritz Lang, der rührigste Regisseur, was die Anzahl der inszenierten Noirs angeht, nahm sich mit „Ministerium …“ eines Romans von Graham Greene an. Am Ende waren beide mit dem Ergebnis unzufrieden: Greene, weil er seine literarische Vorlage verhunzt sah; Lang, weil ihn hier die Paramount wohl an die kurze Leine genommen hatte und er sich seiner künstlerischen Freiheit beraubt fühlte.
Das sehen die meisten heute allerdings anders. Denn neben einiger technischer Ungereimtheiten, warum die Nazis beispielsweise einen so umständlichen Weg der Weitergabe ihres Spionageguts wählen oder wieso sie einen derartigen Aufriss machen, um den zunehmend lästigen Neale loszuwerden, bleibt eines: ein lupenreiner Paranoia-Thriller in bester Noir-Tradition: Überall liegen Fallen aus, kaum jemand ist der, der er zu sein scheint. Für Neale ist es kaum zu durchschauen, wem überhaupt zu trauen ist. Große Klasse sind einmal mehr Kamera und Ausleuchtung. Im Gegensatz zur gängigen Bildsprache bietet hier der Schatten Schutz, wie die nächtliche Verdunkelung der Stadt; im Licht dagegen wird gestorben, ist man sicht- und damit angreifbar. Gleiches gilt für die Charaktere: Zwar bestätigen Ausnahmen die Regel, doch zumeist geht von den Sympathischen die tödliche Gefahr aus, während die Finsterlinge Verbündete sein können. Lang zitiert hier an einigen Stellen die Tradition: Die Séance beispielsweise oder die riesige Schere des Maßschneiders (Dan Dureya), die er zum Drehen der Telefon-Wählscheibe benutzt, zeigen doch ganz klar in Richtung Expressionismus.
Glück für den Streifen war es, dass anstatt des ursprünglich vorgesehenen Alan Ladd, der einrücken musste, Ray Milland die Hauptrolle bekam. Aus meiner Sicht der deutlich variablere Schauspieler. Seine Performance in Billy Wilders „Lost Weekend“ beispielsweise ist auch heute noch ganz groß. Und auch hier schlägt er sich allemal wacker als typische Noir-Person: Auf der einen Seite klar der Good Guy, der durch reinen Zufall in ein undurchschaubares Spiel gerät, dessen Regeln und Teilnehmer er erstmal herausfinden muss. Auf der anderen Seite allerdings besitzt er selbst eine zweifelhafte Vergangenheit, denn so ganz klar ist nicht, ob er nicht doch mehr zum Ableben seines Ehegespons beigetragen hat.
Sehr schräg ist allerdings das wie angeklatscht wirkende Happy End, das wohl auf Geheiß des Studios ein anderer Regisseur nachgedreht hatte.

Rating: $$$$

Splatter:

0/10

 

 

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