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Info

OT: 
Contratiempo

AT:
The invisible Guest

Jahr: SP 2016
R, B: Oriol Paulo
K: Xavi Giménez
M: Fernando Velázquez
D: Mario Casas, Ana Wagener, Barbára Lennie, José Coronado

Quelle: DVD (Koch). Dank fürs Rezi-Exemplar!

 

Inhalt

Der erfolgreiche Firmenchef Adrian Doria (Mario Casas) und die Fotografin Laura Vidal (Barbára Lennie) sind anderweitig verheiratet, pflegen aber ein intensives und verstohlenes Knatterverhältnis. Dann steht ein Erpresser auf der Matte, der 100 Riesen für sein Stillschweigen fordert. Die Geldübergabe soll in einem abgelegenen Hotel über die Bühne gehen. Hier hat der Unbekannte ein Zimmer reserviert.
Doch zur Übergabe des Zasters kommt es gar nicht erst: Adrian wird in dem Hotelzimmer niedergeschlagen. Als er erwacht, ist Laura tot, und die Polizei hämmert an die von innen verschlossene Zimmertür. Da niemand einen Dritten in das Zimmer hinein- oder hinausgehen gesehen hat und sich die verriegelten Fenster auch nicht von innen öffnen lassen, ist Adrian selbstredend Verdächtiger Nummer Eins.
Oder hat sich die Geschichte am Ende ganz anders abgespielt? Genau das sucht die ausgebuffte Anwältin Virginia Goodman (Ana Wagener) rauszufinden, die Adrian am Vorabend seines Prozesses in seiner Wohnung befragt. Die erfolgreiche Verteidigung Adrians soll ihr letzter Fall sein, und sie hat bisher noch jeden ihrer Mandanten rausgehauen. Allerdings fördert sie im Laufe des Verhörs einiges an menschlichen Abgründen zutage.

Zitate

Virgina Goodmans gesammelter Zitateschatz:
„Ohne Leiden gibt es keine Erlösung.“
„Wir haben heute einen enormen Vollmond. Der ist genauso groß wie die Löcher in Ihrer Geschichte.“
„Wir bleiben sehr nahe bei der Wahrheit.“
(Alte Winkeladvokaten-Taktik)

Laura: „Geh‘ ich unter, gehst du mit unter.“ (Süßholzraspeln unter Fahndungsdruck)

Die Kritik des Gunslingers:

Zweite Regiearbeit von Oriol Paulo, der nach „The Body – Die Leiche“ einmal mehr einen so vertrackten wie fesselnden Thriller vorlegt. Das Gerüst des Streifens, sozusagen die Knochen, bildet die abendliche Befragung Adrians durch seine Anwältin, ein paar Wochen nach den Geschehnissen. Das Fleisch wiederum besteht aus den Erinnerungen an die Ereignisse sowie die ebenfalls filmisch umgesetzten, alternativ möglichen Abläufe.
Während der gesamten Laufzeit bewegt sich der Zuschauer auf schwankendem Grund. Nichts ist gesetzt: Das betrifft nicht nur die Taten und Äußerungen der handelnden Personen, sondern auch deren Charakterzeichnungen, die wir ja allesamt erst einmal aus Adrians Sicht serviert bekommen. Zunehmend zweifeln wir an seiner erst einmal plausibel klingender Geschichte. Immer wieder grätscht Virginia dazwischen und entwickelt aus den bekannten Fakten ganz andere, aber genauso möglich erscheinende Varianten.
Zwar ist es ihr Job als Verteidigerin, bereits im Vorfeld potenzielle Einwände seitens der Staatsanwaltschaft zu erahnen und zu entkräften. Aber nichts destotrotz wachsen im Zuschauer auch angesichts von Adrians Verhalten im Verlauf des Gesprächs die Zweifel. Der Ausgangspunkt ist eine dramatische Geschichte, die sich fast zwangsläufig aus der unglücklichen Verkettung von Zufälligkeiten und individuellem Fehlverhalten zu entwickeln schien. Am Ende steht eine genauso plausible, haarsträubende Variante, gespeist aus Egoismus, kaltblütiger Berechnung und Mord. Erst zum Schluss löst der Film mit einem netten Twist eindeutig auf.
Anders als das Setting vorgibt, handelt es sich nicht um ein Kammerspiel. Dafür nehmen die szenischen Erinnerungen und Thesen einen zu breiten Raum ein. Dennoch tragen in erster Linie Mario Casas und Ana Wagener den Streifen. Und das tun sie großartig. Zwar ist der gesamte Cast klasse, muss aber hinter der Präsenz der beiden Hauptantagonisten zurücktreten.

Rating: $$$$$

Splatter:

2/10