Access Keys:
Skip to content (Access Key - 0)

Toggle Sidebar

Info

OT: 
Roma Violenta
AT:

Gewalt rast durch die Stadt

Jahr: I 1975
R: Marino Girolami
B: Vincenzo Mannino
K: Fausto Zuccoli
M: G. & M. de Angelis
D: Maurizio Merli, Richard Conte, Ray Lovelock, John Steiner, Luciano Rossi, Daniela Giordano

Quelle: VPS (Video)

 

Inhalt

1975: Auf den Straßen Roms herrscht die Kriminalität. Polizei und Justiz sind personell unterbesetzt und überfordert, während Bankräuber, Taschendiebe, Entführer und Geiselnehmer die Stadt mit Verbrechen überziehen und meist glimpflich bis unbeschadet davon kommen. Commissario Berti (Maurizio Merli) - im Original heißt der Kollege selbstredend Betti - versucht mit höchster Motivation und unerbittlichem Einsatz dagegen zu halten, stößt aber immer öfter an seine rechtsstaatlichen Grenzen. Seine hemdsärmeligen Methoden finden bei den Vorgesetzten wenig Begeisterung und noch spärlicher Unterstützung; in der Öffentlichkeit steht die Polente hilf- und tatenlos in der Kritik und wird für das Ausmaß der Gewaltexzesse mitverantwortlich gemacht.
Als Bertis junger Undercover-Kollege Biondi (Ray Lovelock) während eines Bankraubs in den Rollstuhl geschossen wird und die Täter auf der Flucht unschuldige Passanten ins Jenseits schicken, kennt der Commissario kein Gesetzbuch mehr und verbleit die Gangster, statt ihnen Handschellen anzulegen. Von den Medien wegen der Lynchjustiz angeprangert und von den Vorgesetzten im Stich gelassen, quittiert Berti den Dienst. Doch er ist noch längst nicht aus dem Geschäft: der rechtschaffene Anwalt Sartori (Richard Conte) hat eine Vigilanten-Truppe um sich geschart und wirbt um den erfahrenen Ex-Polizisten. Der lässt sich nicht zweimal bitten, stehen doch noch einige Rechnungen offen...

Zitate

"Ich glaub, ich lass mich zur Sitte versetzen, da bekommt man wenigstens noch zwischenmenschliche Kontakte." (Biondi braucht ein paar warme Worte)

"Nu komm, markier hier keine Migräne." (Dabei gabs nur ein paar auf den Hinterkopp, zwecks Denkvermögen)

"Wir haben nun mal ein bürgerliches Gesetz, und ich bin dazu da, auf seine Einhaltung zu achten." - "Ja natürlich. Ein bürgerliches Gesetz, das unsere bürgerliche Gesellschaft nicht daran hindert, Tag für Tag neue Verbrechen zu produzieren."(Klassikerspruch; in Variationen auch in einem Dutzend weiterer Poliziotteschi zu finden)

Die Kritik des Sargnagels:

Marino Girolami, Nachkriegsurgestein des italienischen Films und Häuptling des Girolami-Clans (älterer Bruder von Romolo Guerreri, Vater von Ennio und Enzo), war schon in den frühen Fuffzigern ein Mann des Unterhaltungs-Kinos und hatte bis Mitte der '70er von Dolce Vita-Schnulzen, Gladiatoren-Streifen, Italowestern, Weltkriegs-Klamotten bis zu Softporns einen Großteil der in der Cinecitta beheimateten Genres durchgenudelt.
Klaro, der Mann musste auch mitmischen, als die Poliziotteschi-Welle in Fahrt kam. Die startete zwar schon zögerlich Ende der 60er, wurde dann Anfang des nächsten Jahrzehnts inhaltlich und medienwirksam durch den einschlagenden Erfolg amerikanischer Pendants wie Friedkins "French Connection" und den Don Siegel-Werken "Nur 72 Stunden" bzw. "Dirty Harry" so richtig befeuert.
Passé waren die Zeiten, als joviale, coole und über den Dingen stehende Kommissare den bösen Buben das Handwerk legten. Toughe, desillusionierte Cops, deren Ermittlungsmethoden von Backpfeifen bis zur Vollverbleiung reichen, prägten ab jetzt die Leinwände.
Der Altmeister reduzierte dazu den Plot auf's Nötigste. Tiefgang gibt es auch keinen, dafür jede Menge plakativer Aussagen. Nach drei Minuten weiß man, wie der Berti tickt, und das ändert sich auch nicht bis zum Unhappy End. Während bei den Genre-Vorgängern noch die Jagd auf einen adäquaten bis überlegenen Antagonisten für einen roten Faden durch die Handlung sorgte, steht Berti einer Hydra des alltäglichen Straßen-Verbrechens gegenüber, deren Köpfe er Episödchen für Episödchen im Akkord abschlägt. Das erzeugt eine alles durchdringende Atmosphäre der Gewalt, unschuldige Opfer im Dutzend erwischt es unvorhergesehen auf der Straße oder gar in den eigenen vier Wänden. Die Masse der Gegner macht's; die mit fortlaufender Spieldauer gesteigerten Gewaltexzesse und eine exquisit abgekurbelte Verfolgungsjagd durch die City durchbrechen dabei das mit der Zeit doch etwas monotone Erzähltempo und kaschieren die magere Handlung.
Jeglicher störende Firlefanz wie eine begleitende Love Story wurde über Bord geschmissen, auch wenn Betti ein Kröschen mit einer Hotelbesitzerin pflegt. Die aus etlichen Italowestern bekannte Daniela Giordano verkommt dabei allerdings zur Stichwort-Tante und kann dem Protagonisten keinerlei zusätzliche Charaktertiefe entlocken.
Franco Nero und Tomas Milian, bereits als Frontgesichter im Genre etabliert, dürften Girolamis Geldbörse gesprengt haben; er setzte dagegen auf das damals noch ziemlich frische Nero-Lookalike Maurizio Merli. Der bekleidete schon so manche Nebenrolle in Girolamis früheren Werken und hatte sich mit der Titelrolle in "Wolfsblut greift ein" 'ne kleine Action-Merite verdient, was allerdings nicht darüber hinweg täuschen kann, dass sich sein schauspielerisches Talent zeitlebens etwa auf dem Niveau eines Antonio de Tèffe bewegte: 90 Minuten lang die selbe verbiesterte Fresse.
Die prägte jedoch danach entscheidend die Poliziotteschi-Ära mit. In den folgenden Jahren dominierte Merli die Szene - egal, ob er nun dabei weiterhin Betti (den Merli noch in Girolamis "Cop Hunter" und Lenzis vorzüglichem "Camorra - Ein Bulle räumt auf" verkörperte) oder Tanzi, Olmi, Ferro usw. hieß, es war grundsätzlich die Blaupause aus "Verdammte heilige Stadt".
Nebendarsteller habens bei einer solchen Erzählstruktur natürlich schwer. Die durchschnittliche Lebensdauer eines Ganoven, sprich die Playtime, liegt bei ca. sieben Minuten; in dem kurzen Zeitraum kann sich vor allem Luciano Rossi, amtlicher Maniac in zig Italo-Exploitern, als "Postmann, der nicht zweimal klingelt" hervortun.
Richard Conte taucht erst im letzten Drittel des Streifens auf und wirkt ähnlich hölzern wie die restliche Charge. Ob's am stramm gescheitelten Toupet lag?
Handwerklich spielt man in den oberen Ligen, was dem Streifen doch Einiges an Boni bringt. Kamera und Schnitt bieten die üblichen SloMo-Shootouts, Zooms und Hochgeschwindigkeitsfahrten galore, musikalisch servieren die de Angelis-Brüder mit fiebrigem Jazz-Funk Feines fürs Ohr.

Rating: $$$+

Splatter:

6/10