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Info

OT: 
Quattro Mosche di Velluto grigio

AT:
Quatre Mouches de Velours gris (F)

Jahr:
I/F 1971
R, B: Dario Argento
B: Luigi Cozzi, Mario Foglietti
K: Franco Di Ciacomo
M: Ennio Morricone
D: Michael Brandon, Mimsy Farmer, Jean-Pierre Marielle, Francine Racette

Quelle: TV (arte)

 

Inhalt

Roberto (Michael Brandon) trommelt in einer aufstrebenden Prog-Rock-Band. Seit einer Woche aber geht ihm ein Unbekannter (Carlo Carlisti) auf den Sack, der ihn offenkundig verfolgt. Als Roberto den Stalker in einem Theater in die Enge treibt und zur Rede stellt, passiert es: Der aggressive Fremde verletzt sich in dem Gerangel tödlich mit seinem Stilett. Doch damit nicht genug: Roberto entdeckt einen maskierten Fremden auf der Empore, der munter drauflos fotografiert.
Erwartungsgemäß beginnt jetzt der Ärger: Per Post trudeln in nächster Zeit der Ausweis des Toten und Fotos aus dem Theater ein. Nachts geht ein Unbekannter in Robertos Butze ein und aus und bedroht ihn massiv. Dem Erpresser, der anscheinend aus Robertos engerem Umfeld stammt, geht’s offensichtlich ausschließlich um Psychoterror. Zumal sich sein Opfer an niemanden wenden kann.
Zwar vertraut er sich seinem Ehegespons Nina (Mimsy Farmer) an, doch ist auch von ihr keine Hilfe zu erwarten. Erst sein Kumpel, der Aussteiger Gottfried („Bud Spencer“), der sich wenig bescheiden „Gott“ nennen lässt, wartet mit handfesten Vorschlägen auf. Es wird auch höchste Zeit, denn der Unhold schaltet einen Gang höher und schreckt inzwischen auch vor Mord nicht mehr zurück.
So engagiert Roberto auf Anraten Gottfrieds den exzentrischen Privatschnüffler Gianni Arrosio (Jean-Pierre Marielle), um für klare Sicht zu sorgen. Doch da gibt es ein klitzekleines Problem: Arrosio hat bis dato noch nicht einen seiner Fälle lösen können.

Zitate

Gottfried: „Wir nennen ihn ‚Professor‘, wegen seiner guten Manieren: Er küsst den Weibern die Hand und furzt nicht in der Öffentlichkeit.“

Die Kritik des Gunslingers:

Dieser Giallo von Großmeister Dario Argento ist sein dritter Streifen als Regisseur und gilt gleichzeitig als Abschluss einer sogenannten „Tier-Trilogie“. Keine Ahnung, ob das tatsächlich in der Intention des Regisseurs lag, oder ein Zusammenhang erst später konstruiert wurde: In jedem Fall spielen in den Titeln von Argentos ersten drei Streifen Tiere eine Rolle: Vogel, Katze, Fliegen. Soll an dieser Stelle aber auch wurscht sein.
Wie so viele andere Psychothriller dreht sich auch dieser um den Normalbürger, der ohne sein Zutun in eine pechschwarze Parallelwelt abrutscht, aus der der Rückweg versperrt scheint. Allerdings gelingt es Argento nicht, eine konstant dichte Atmosphäre aufzubauen. So scheitert er beispielsweise daran, die humorigen Versatzstücke ohne Brüche einzubauen wie den schrill-schwulen Privatdektektiv, den Postboten (Gildo Di Marco), der Angst um seine Rübe hat, die skurrile Sargmesse oder den bibelsprüchekloppenden „Professor“ (Oreste Lionello). Wie sowas funktionieren kann, kann man sich zum Beispiel bei Hitchcock anschauen und seinem klasse Streifen „Frenzy“.
Im Endergebnis wirkt der Film nicht ausbalanciert: Die einzelnen Teile für sich genommen sind durchaus gelungen; sie schwächeln aber im Ensemble. Dabei gibt es auch optisch herausragende Szenen, wie die Sequenz, in der Robertos Dienstmädchen Amelia (Marisa Fabbri) versucht, den Erpresser zu erpressen. Die Kamera folgt dabei der Telefonleitung aus der Telefonzelle, in der Amelia steht, bis zum Apparat des Schurken. Dass Amelia dafür büßen muss, ist Ehrensache, und auch ihr Tod ist von Kameraarbeit und Schnitt her großartig gelungen. Genauso das in extremer Zeitlupe präsentierte Finale, das nicht nur Robertos dauernd wiederkehrenden Traum auflöst, sondern auch mit einem Regen zersplitternden Glases einhergeht. Von Argento im Übrigen auch in anderen Streifen gerne als Bild verwendet. Genauso wie das lange rätselhafte Detail, das die Lösung des Falles beinhaltet. Hier sind es die titelgebenden, mysteriösen „4 Fliegen“, die auf einem Optogramm, dem letzten Bild auf der Netzhaut eines Mordopfers, zu erkennen sind. 
Zwar hat Argento gesagt, dass der Amerikaner Michael Brandon die Idealbesetzung für die Hauptrolle war, doch stiehlt ihm Mimsy Farmer ganz klar die Show. Spitzenleistung. Ebenfalls groß trumpft Jean-Pierre Marielle auf, der den schwulen Privatdetektiv lustvoll ausreizt, ihn dabei aber nicht zur Karikatur werden lässt.

Rating: $$$+

Splatter:

3/10