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Info

OT: 
Milano trema: la Polizia vuole Giustizia

Jahr: I 1973
R: Sergio Martino
B: Ernesto Gastaldi
K: Giancarlo Ferrando
M: Guido & Maurizio De Angelis
D: Luc Merenda, Richard Conte, Silvano Tranquilli, Martine Brochard, Bruno Corazzari, Chris Avram

Quelle: youtube

 

Inhalt

Commissario Giorgio Caneparo (Luc Merenda) gilt bei der Mailänder Polizei als knallharter Einzelgänger, dem bei Verhaftungen der Zeigefinger an der Knarre juckt. Als man seinen Freund und Mentor del Buono (Chris Avram) hinterhältig auf offener Straße ausknipst, hat er die Faxen endgültig dicke und quittiert den Dienst, um auf eigene Faust die Hintermänner des Mordes ausfindig zu machen.
Caneparo baut sich eine Vita als Zuhälter auf und taucht ins kriminelle Rotlichtmilieu von Mailand ab, in dem del Buono zuletzt ermittelte. Gezielt prahlt er in Hinterhofkaschemmen mit seinen Fahrküsten als Fluchtautofahrer, in der Hoffnung, für einen geplanten Coup engagiert zu werden. In einer Billardkneipe wird er auf den zwielichtigen Gentleman Padulo (Richard Conte) aufmerksam, der offenbar Kleinkriminelle für Raubüberfälle heuert. Unter anderem auch den kleinen Luden Giacomo (Luciano Bartoli); Caneparo klemmt sich an dessen Bordsteinschwalbe Maria (Martine Brochard) und erfährt von ihr von einem bevorstehenden Bankenripp. Der Ex-Cop verpfeift das Vorhaben rechtzeitig an seine alten Kollegen, die Flucht der Gangster endet tödlich an der Baumrinde.
Padulo braucht nun Ersatz für seine verlustig gegangenen Handlanger und castet Caneparo für den nächsten Bankraub. Während dieser die Organisation infiltriert, dünkt ihm immer mehr, dass hinter den Verbrechen nicht Geldinteressen stecken, sondern mit der Gewaltwelle das politische System destabilisiert werden soll...

Die Kritik des Sargnagels:

Nachdem Sergio Martino Anfang der 70er einige ambitionierte Gialli ablieferte (u.a. "Der Schwanz des Skorpions", "Torso"), wandte er sich dem aufstrebenden Genre des Cop-Thrillers zu. Stefano Vanzina legte 1972 mit "Das Syndikat" eine Blaupause für die europäischen "Dirty Harry"-RipOffs auf, auch Martino begibt sich in das Spannungsfeld zwischen Staat und Verbrechen, das im Italien der 70er Jahre aufgrund der Verstrickungen des Systems in Terror und Mafia-Kriminalität den Alltag bestimmte. Allerdings hat in "Milano trema..." der Cop Caneparo selbst schon die Schwelle zum Vigilanten überschritten und nimmt das Recht im Kampf gegen die umstürzlerische, rechtskonservative Geheimorganisation, die das Verbrechen für Ihre Zwecke instrumentalisiert und fördert, durchweg in seine eigenen Hände. Gut und Böse verwischen hier vollständig, wenn sich der Undercover-Cop von aller bürokratischen Last befreit durch die Unterwelt holzt und zu Beginn auch mal ein paar brutale Ausbrecher (superfies: Antonio Casale und Luciano Rossi) NACH deren Verhaftung einsargt. Leider tritt das eigentliche Thema dabei zu Lasten des persönlichen Rachefeldzugs immer mehr in den Hintergrund, für Caneparo hat sich die Chose nach getaner Lynchjustiz erledigt. Eine Atmosphäre der "bleiernen Zeit" kommt nur am Anfang kurz auf, das umspannende Netz der übergeordneten Macht erweist sich im Laufe der Handlung doch als ziemlich schwachbrüstig und wirkt nur selten bedrohlich.
Nu jut, Krittelei im Detail - gibt halt Abzüge in der B-Note. Richtig punkten kann Martino dagegen mit der Action, die auf der einfachen wie undifferenzierten Story aufsetzt. Waren schon seine Gialli feine Augenschmäuse, legt er auch hier viel Wert aufs Visuelle. Rassig inszenierte Autojagden (mit etlichen kultigen Schlitten der damaligen Jahre (Zwinkern) ), deftige Kloppereien und bleihaltige Shootouts gibt es in hoher Qualität als Meterware.
Kameramann Giancarlo Ferrando liefert Handgeschossenes, Zooms, Zeitlupen und Spielereien mit Tiefenschärfe und Kameraposition, Edel-Schnitter Eugenio Alabiso (schnibbelte u.a. schon Italowestern für Leone, Sollima und Corbucci) sorgt mit perfektem Timing für Dynamik im Bewegtbild. Der Score der de Angelis-Brüder ist eine echte Bombe, die Jungs untermalen mit Morricone-Anklängen, deep-bassigem Jazz-Funk und "Oliver Onions"-typischen Ohrenschmeichlern perfekt und verdienen sich bei der Mithilfe im Spannungsaufbau der Szenen ein Fleißkärtchen.
Die darstellerischen Leistungen kann man im Großen und Ganzen solide nennen. Luc Merenda füllt seinen eindimensional angelegten Charakter dennoch gut aus und kann dabei etwas Charisma versprühen. Es sollte nicht seine letztes Engagement im Genre gewesen sein (siehe u.a. "Policeman Luc Merenda"). Richard Conte müht sich, hat aber nicht die notwendigen Szenen, seiner Rolle und der Geschichte mehr Tiefe zu verleihen und wird Opfer des dünnen Skripts. Die Nebenrollen sind gespickt mit liebgewonnenen Darstellern wie Steffen Zacharias, Bruno Corazzari, Claudio Ruffini und Sergio Smacci, die mit ihren Gesichtern für ordentlich Kolorit sorgen.
Der Streifen wurde anno 1973 schmählich bei den deutschen Kino-Verleihern übersehen, auch TV und Video nahmen sich seiner nicht an, und so gibt es bis heute keine deutsch synchronisierte Veröffentlichung. Schande. Der Rezi lag die englischsprachige Fassung zugrunde, die neben simpel und einfach strukturiertem Text auch mit unfreiwillig humoristischen Einlagen aufwartet, wenn sich z.B. Luc Merenda beim Herrn Ober zwei Bier mit einem französischen "S'il vous plaît" erbittet. (Zwinkern)
Alles in allem eine sehr unterhaltsame Angelegenheit, bei der zwar mehr aus der Story herauszuholen gewesen wäre, die aber visuell in der oberen Klasse mitspielt.

Rating: $$$$-

Splatter:

4/10