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Info

OT: 
Wartezimmer zum Jenseits

Jahr: D 1964
R: Alfred Vohrer
B: Eberhard Keindorff, Johanna Sibelius
K: Bruno Mondi
M: Martin Böttcher
D: Götz George, Hildegard Knef, Richard Münch, Hans Clarin

Quelle: TV (Das 4.)

 

Inhalt

Der reiche Fabrikant Sir Cyrus Bradley (Hans Paetsch) wird durch das Syndikat „Schildkröte“ erpresst: Entweder lässt er 50 Riesen springen, oder er springt umgehend über die Klinge. Sir Cyrus lässt sich nicht ins Bockshorn jagen ist nicht gewillt zu blechen: Er engagiert seinen Lieblingsneffen und Alleinerben Donald Micklem (Götz George) und dessen Kumpel Harry Mason (Hans Clarin) zu seinem persönlichen Schutz und versucht, die Gangster mit dem Uralttrick „Papierschnipsel“ zu leimen. Das erweist sich als tödlich, denn die Schildkröte versteht keinen Spaß: Onkelchen beißt also tatsächlich ins Gras.
Die Spur der Organisation führt nach Triest, wohin sich Micklem und Mason begeben, um schon gleich nach der Ankunft einem Bombenanschlag knapp zu entgehen. Und tatsächlich: Der reiche, wohlrespektierte Marquese Asconi (Richard Münch) und sein Herzliebchen Laura (Hildegard Knef) ziehen die Fäden hinter der Schildkröte. Nun soll Micklem die durch Onkel Cyrus’ Ableben entstandenen Einnahmeausfälle abfangen, aber im Syndikat machen sich infolge von Eifersüchteleien bereits Auflösungserscheinungen breit.

Zitate

Laura: „Hat er sein Geld gekriegt?“ – Crantor (Carl Lange): „Natürlich. Nur zum Zählen ist er nicht mehr gekommen.“

Laura: „Morden ist alles, was er kann.“ – Asconi: „Du bist empfindsam geworden.“

Asconi: „Für einen Menschen in meiner Lage ist es berauschend, wenn man vor ihm zittert.“

Die Kritik des Gunslingers:

Alfred Vohrer war bei der Rialto Film vielbeschäftigter Regisseur im Rahmen der „Edgar-Wallace“- und „Karl-May“-Streifen. Auch „Wartezimmer“ wurde durch die Rialto produziert und kommt, angefangen beim Titel, ganz klar im Fahrwasser von Edgar Wallace daher gesegelt.
Neben Wallace hat hier allerdings auch der zu der Zeit immer populärere James Bond zarte Spuren hinterlassen. Don und Harry haben es hier folgerichtig mit einem weirden, dazu gehandicappten Superschurken zu tun, dessen Zentrale technisch hochgerüstet ist und der aus Spaß an der Sache Leute peinigt. Für das Wartezimmer selbst hat sich der Marquese von Poe inspirieren lassen, nicht die schlechteste Quelle für ausgeklügelte Todesmaschinen *lach*.
Nichts desto trotz offenbart der Plot deutliche Schwächen, vor allem in seiner Personenkonstellation. So nimmt man den beiden begüterten „Studenten“ Don und Harry kaum die taffen Streiter gegen eine abgekochte Gangstertruppe ab, die dazu nahezu im Alleingang den Marquese zu Fall bringen. Wie Götz George der Todesfalle entkommt – ein einfaches Holzstühlchen genügt – entbehrt nicht einer gewissen Putzigkeit.
Hier sind wir auch schon bei den schauspielerischen Bemühungen. Götz kann extreme körperliche Präsenz zeigen, ob in den diversen handgreiflichen Auseinandersetzungen oder vor dem Badezimmerspiegel. Hans Clarin gibt den niedlichen Sidekick, der noch mitten im Stimmbruch steckt, und Hildegard Knef die undurchschaubare Gangsterbraut mit höheren Ambitionen. Deutlich effektvoller, weil überdrehter die eigentliche Schurkenseite: angefangen bei Richard Münch als skrupellosem Sadoschurken über Pinkas Braun bis hin zu „Narbengesicht“ Carl Lange und letztlich Klaus Kinski, der eine für ihn typische Kurzperformance abliefert als alkoholisierter Messerwerfer, der schon nach dem ersten Drittel Feuer aus macht. Das Trashometer schmieren unter anderem ein paar Schildkröten, die unmotiviert durch die Gegend kriechen und ab und an einen Totenkopf auf dem Panzer tragen.
Schön ist der Score von „Winnetou“-Komponist Martin Böttcher, der ein starkes, leicht verfremdetes Titelthema umfasst, in dem sich Stopftrompete, Saxo- und Vibraphon gute Nacht sagen.

Rating: $$$ (Trash: $$$)

Splatter:

1/10