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Info

OT: 
Z

AT:
Z – Anatomie eines politischen Mordes
Z ou l'Anatomie d'un Assassinat politique

Jahr:
F/ALG 1969
R, B: Constantin Costa-Gavras
B: Jorge Semprún
K: Raoul Coutard
M: Mikis Theodorakis
D: Jean.-Louis Trintignant, Jacques Perrin, Charles Denner, Yves Montand

Quelle: TV (arte)

 

Inhalt

In einer nicht näher bezeichneten europäischen Mittelmeer-Republik neigt sich die Zeit der konservativ-maroden Regierung dem Ende entgegen. Mit allen Mitteln, die selbstredend auch Polizeigewalt, Spitzelei und Rechtbeugung beinhalten, versucht man, Oppositionelle klein zu halten. Als regimetreue Schläger den Führer der linken Opposition (Yves Montand) nach einer Veranstaltung unter dem Deckmantel von inszenierten Ausschreitungen gehörig eins aufs Dach geben, ist die Kacke am Dampfen.
Denn als der Tod des Politikers an die Öffentlichkeit durchsickert, weht den Mächtigen der Wind noch stärker ins Gesicht. Um die wachsende Empörung wieder einzufangen, versuchen Polizei und Justiz, den Mord als einen Verkehrsunfall darzustellen. Jede Menge gekaufte oder erpresste Zeugen und dazu zwei zum Unfallzeitpunkt angeblich total betrunkene Schuldige (Renato Salvatori, Marcel Bozzufi) inklusive.
Der ermittelnde Untersuchungsrichter (Jean-Louis Trintignant) ist zwar voll auf Linie, doch kommen ihm angesichts nicht von der Hand zu weisender Fakten Zweifel an der auf dem Silbertablett servierten Unfalltheorie. Und dann melden sich auch nach und nach Zeugen, die von Mord raunen. Außerdem wühlt sich ein Sensationsreporter (Jacques Perrin) tief in die immer kräftiger stinkende Jauchegrube und fördert immer neue Indizien zutage.
Hinter dem Mord steckt offensichtlich nicht nur eine nationalistische, von den Behörden gepäppelte Organisation, sondern auch höchste Polizei- und Regierungskreise sind direkt verwickelt. Trotz des wachsenden Drucks durch seine Vorgesetzten, entschließt sich der junge Richter, Anklage zu erheben.

Zitate

Polizeigeneral (Pierre Dux): „Und er ist auch noch Jude.“ – Polizeipräsident (Julien Guiomar): „Halbjude.“ – „Das sind die Schlimmsten. Fühlen sich allen überlegen. Auch den Juden.“

Staatsanwalt (François Périer): „Meinem Gefühl nach sollten wir uns an die These mit dem Unfall halten.“

Polizeigeneral: „Ist der Kommunist, oder warum will er mich fertigmachen?“

Die Kritik des Gunslingers:

Zwar ließ Costa-Gavras, Meister des gepflegten Polit-Thrillers, den Handlungsort seines Streifens offen, und auch seine Hauptprotagonisten weitgehend namenlos. Aber die Spatzen pfiffen es von Beginn an von den Dächern, dass sich der Plot um eine Episode der jüngeren griechischen Geschichte dreht. Anfang der 60er nämlich wurde ein linker Oppositioneller ermordet. Die nachfolgenden Eruptionen führten zu einem Wahlsieg der Linken und mündeten 1967 in einen Militärputsch. Demzufolge gab es Probleme, den Streifen zu finanzieren, und auch der Dreh in Griechenland war nicht möglich, weswegen man nach Algerien auswich.
Doch Costa-Gavras geht es nicht darum, die Ereignisse nachzuerzählen. Ihn interessieren vielmehr die Mechanismen, die ein Regime an der Macht erhalten. Der Staatsapparat durchzieht mit seinen kranken Strukturen die gesamte Bevölkerung. Er nutzt nicht nur direkte Repressalien, sondern arbeitet auch geschickt mit Vergünstigungen. So sind in unserem Fall nahezu alle kleinen Angestellten, Handwerker, Einzelhändler und Dienstleister Mitglieder der ultrarechten Organisation. Dadurch erhalten sie Aufträge, Konzessionen und Jobs. Als Gegenleistung treten sie bei gewalttätigen Gegendemos als „gesundes Volksempfinden“ an oder organisieren den „Saalschutz“. Kurz: die netten jungen Männer fürs Grobe (Zwinkern). Auf der anderen Seite stellt der Streifen die Frage, bis wie weit Gewaltlosigkeit gehen kann, wenn man durch Gewalt permanent unter Druck gesetzt wird. Ab wann ist es legitim zurückzuschlagen, oder ist es besser, sich vordergründig zu arrangieren, um den Wechsel von innen voranzutreiben. Letztlich – so das Fazit – ist es müßig, diese Frage zu stellen, denn am Ende behalten dann doch Gewehre die Oberhand über demokratische Prozesse.
Vom Personal am interessantesten ist natürlich der Untersuchungsrichter. Jean-Louis Trintignant spielt ihn nahezu emotionslos, von oben herab, cool hinter seinen fast ständig verdunkelten Brillengläsern. Ein treuer Staatsdiener par excellence, der anfangs tatsächlich glaubt, was ihm da vorgesetzt wird. Dann muss er erkennen, dass Staat und Recht nicht zwangsläufig das Gleiche sind, und es beginnt die Zerrissenheit zwischen Pflicht und Wahrheitsfindung. Ansonsten sind die Charaktere eher schablonenhaft angelegt, denn eine Botschaft lässt sich mit „klarer Kante“ einfacher transportieren. Sehr fein geraten ist der Score von Mikis Theodorakis. Nett, aber nicht von ihm ist der Trick, das Klappern einer elektrischen Schreibmaschine, die die Verhörprotokolle schreibt, zu rhythmisieren und in den Song einzupassen.

Rating: $$$$

Splatter:

1/10