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Mögen sie in Frieden ruh'n

Info

OT: 
Requiescant

Jahr: I/D 1967
R: Carlo Lizzani
B: Adriano Bolzoni, Armando Crispino, Lucio Battistrada
K: Sandro Mancori
M: Riz Ortolani
D: Lou Castel, Mark Damon, Feruccio Viotti, Pier Paolo Pasolini, Franco Citti

Quelle: TV (Tele 5)

 

Inhalt

Per Vertrag begraben in San Antonio Gringo-Mogul Ferguson (Mark Damon) und der Mexicano-Häuptling Roberto ihren Streit um einen Zipfel fruchtbaren Grenzlandes. Doch anstatt der Friedenspfeife holt Ferguson die Gatling vom Speicher und leuchtet den Mexikanern so kräftig heim, dass das Massaker nur Robertos Sohn überlebt. Den mit einem Streifschuss an der Rübe herum irrenden Kleinen greifen ein durchreisender Pfarrer und seine Haushälterin auf, bei denen er nun gottesfürchtig, gewaltfrei und völlig erinnerungslos heranwächst.
Eine gravierende Änderung erfährt das beschauliche Leben, als Princy (Barbara Frey), abenteuerlustiges Töchterlein der Haushälterin, auf der Suche nach Aufregungen durchbrennt. Der inzwischen zum Mann gereifte Bursche (Lou Castel) macht sich auf den Weg, das entflogene Vögelchen wieder heimzuholen. Auf seiner langen Reise entdeckt er zufällig seine offenkundig naturgegebene Affinität zum Colt, der zahlreiche Übeltäter mit ihrem unerwarteten Ableben Tribut zollen müssen. Immerhin erhalten sie abschließend eine standesgemäße Grabrede auf Latein, was dem flinken Bibelschüler bald den Namen Requiescant einbringt.
Der landet schließlich – das nennt man wohl Schicksal - in San Antonio, einem Ort, in dem Mexikaner nach wie vor wie Dreck behandelt werden und Ferguson immer noch den Ton angibt. Hier findet Requiescant auch Princy wieder, die inzwischen in einem von Fergusons rechter Hand Dean Light (Feruccio Viotti) gemanagten Etablissement anschaffen muss. Requiescant will die Sache zwar friedlich regeln, aber da sei George Bellow Ferguson vor, der niemals zurück gibt, was er einmal besitzt. Zudem bringt ein stummer, ehemaliger Gefolgsmann seines Vaters Requiescant schlagartig die Erinnerung zurück, indem der ihn an den Ort des einstigen Massakers führt, den immer noch die sonnengebleichten Knochen der Ermordeten zieren. Jetzt fährt auch der so sanfte Priesterzögling eher die alttestamentarische Linie: die mit dem Auge und dem Zahn. Unerwartete Unterstützung erfährt er durch die Guerillatruppe des Priesters Don Juan (Pier Paolo Pasolini), der ebenfalls einst mit seinem Vater gekämpft hatte.

Zitate

Requiescant: „Entschuldigt. Aber so was kann schon mal passieren.“ (Requiescant lässt braven Bauersleuten ein paar Leichen da)

Light: „Ich kann mir nicht helfen: Irgendwas stört mich an deiner Fresse. Vielleicht liegt’s an deiner Hautfarbe: Die ist reichlich dunkel.“

Die Kritik des Gunslingers:

Carlo Lizzani, bekannt für kommerzielles Kino mit Botschaft, legte mit diesem Streifen seinen besten Genre-Beitrag vor. Dabei ist hier besonders schön sein Gefühl für Rhythmus zu beobachten, denn er wechselt gekonnt das Erzähltempo, in dem er genretypische und raue Actionsequenzen gegen ruhige Dialogpassagen setzt.
Der Streifen ist ein trauriges, weil herausragendes Beispiel für politische Zensur in der Bundesrepublik, die sich zunehmend mit der heraufziehenden 68er-Bewegung auseinanderzusetzen hatte. So fielen diesmal weniger die Brutalitäten der Schere zum Opfer als vielmehr die Rolle Pier Paolo Pasolinis als revolutionärer Priester. Im Cast an dritter Stelle genannt, ist in der hierzulande gängigen Fassung kaum mehr etwas enthalten von den für die Zensoren wahrscheinlich zu subversiven Botschaften. Dass sowohl Lizzani als auch Pasolini kaum als gute Konservative durchgehen, ist ja kein Geheimnis. So ist zwar noch rudimentär ein allgemeines Bekenntnis zu den Belangen der Benachteiligten, zu Frieden und Toleranz enthalten, jedoch seiner Zähne beraubt, wie ich an dieser Stelle mal schwer vermuten darf.
Bemerkenswert sind die schauspielerischen Leistungen. Insbesondere Castel hat mit ausnehmend gut gefallen, der vom naiven, blütenweißen Jüngling glaubhaft umschaltet auf den Mann mit rächender Mission. Den Hoffnungsträger für eine Volxbefreiung gar. Mark Damon wiederum scheint direkt aus einem Horrorstreifen entfleucht: weiß geschminkt, schwarz gekleidet mit stechendem Blick und boshaftem Sadismus, dabei niemals auch nur einen Hauch Gefühls zeigend. Doch halt, genau dreimal kommt er aus sich heraus: als er seinen Männern den Mund verbietet, die über den toten Light lästern, als ihn seine Frau Edith (Mirella Maravidi) öffentlich als Mörder bezeichnet und als er Requiescant um Tod durch eigene Hand anfleht, um nicht durch „Bauern“ sein Leben zu verlieren. Außerdem laufen einige Darsteller aus dem Pasolini Dunstkreis auf wie Franco Citti oder Ninetto Davoli.
Sandro Mancori liefert wieder eine erstklassige Kamera , und auch der eher zurückhaltende Score von Riz Ortolani kann sich hören lassen: hauptsächlich durch E-Gitarre getragen, gelegentlich unterstützt von Kirchenorgel, Harp und „Revolutions“-Trompete.

Rating: $$$$+

Bodycount:

ca. 60 Mexikaner, 16 Gringos

Explizite Brutalitäten:

  • Lights Leute schlagen im Saloon einen Mexikaner zusammen, der den Doktor anfleht mitzukommen, da seine Tochter fiebert. Doch der Doktor will lieber pokern.
  • Ferguson und Requiescant spielen „Sauf und Schieß“: Ein Mädchen (Rossana Krissman) muss einen Kerzenleuchter halten, während die beiden Kontrahenten die Kerzen ausschießen müssen. Vor jedem weiteren Schuss ist allerdings ein volles Glas Whisky zu leeren.
  • Light setzt Princy mit Gewalt unter Drogen und überlässt sie seinen Männern
  • Fergusons Leute befragen Requiescant zu seiner Herkunft: kopfüber und mit Hilfe eines vollen Wasserkübels sowie reichlich Haue. Ferguson, der alte Schöngeist, zeichnet derweil die Quälereien.
  • Ferguson erdrosselt seine Frau mit einem Gürtel

Liebe:

Hm, zwischen Princy und Requiescant? Eher Nächstenliebe: 0/10

Splatter:

1/10

 

 

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