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Für ein paar Leichen mehr

Info

OT: 
Sonora
AT:
Sartana non perdona

Jahr: I/SP 1968
R: Alfonso Balcazar
B: Giovanni Simonelli, Jesus Jaime Balcazar (Story)
K: Jaime Deus Casas
M: Francesco De Masi
D: Francisco Martinez Celeiro (“George Martin”); Gilbert Roland, Jack Elam, Alfio Caltabiano

Quelle: DVD (Colosseo). Dank fürs Rezi-Exemplar!

 

Inhalt

Ein Fremder („George Martin“), Cajado geheißen, wie wir später erfahren werden, reitet in ein müdes Grenznest ein. Kopfgeld ist sein Metier, doch seine Mission ist eine andere: Rache. Ein Erfrischungsgetränk später schon macht er dem Banditen Lasky (Hugo Blanco) und dessen Gefolgschaft seine Aufwartung. Lasky steht zwar auf Cajados Abschussliste, doch viel wichtiger sind ihm erstmal Informationen, denn Cajado ist auf der Jagd.
Lasky nämlich war Kumpel des Banditen Slim Kovacs (Jack Elam). Zusammen haben sie dereinst Cajados Gspusi übelst den Garaus gemacht, was ihn den Weg des Colts einschlagen ließ. Zwar spuckt Lasky ein paar Infos aus, aber Cajado tütet ihn und seine Jungs der Rache wegen trotzdem ein. Doch noch ein anderer ist hinter Slim her, allerdings aus rein geschäftlichen Gründen: Kitchener (Gilbert Roland) ist Kopfgeldjäger aus Leidenschaft, und auf die Rübe von Kovacz sind immerhin 10.000 lachende Scheinchen ausgesetzt. Als Dritter, der dem guten Slim an die Wäsche will, betritt José (Alfio Caltabiano) die Bildfläche, Ex-Compadre von Kovacz, dem dieser hinterfotzigerweis’ vor kurzer Zeit ein Stück Blei im Gekröse versenkt hatte.
Alle Parteien treffen in Sonora aufeinander, das Slims Gringo-Mexicano-Banditentruppe besetzt und mit den üblichen Terrormaßnahmen überzieht, um auf einen fett bestückten Goldtransport zu warten. Während nun Kitchener als Leibwächter bei Kowacz anheuert, um noch kräftig zu kassieren, bevor das Ende kommt, tun sich Cajado und José zusammen und beginnen das muntere Banditen-Klatschen.

Zitate

Lasky: „Mit dem albernen Fetzen kannst du dir den Arsch abwischen, sonst nichts.“ (Lasky bezieht sich auf den Steckbrief, den ihm Cajado unter den Riechkolben hält)

Cajado: „Ich war schon immer ein netter Kerl.“

Kitchener: „Ich denke an das Sprichwort: Irgendwann ist jeder mal dran.“

Bandit (Miguel de la Riva): „DU willst dich mit mir schießen? Ist ja lächerlich.“ – Cajado: „Da hast du recht, wenn ich dich so sehe.“

Kitchener: „Wer die Nerven verliert, braucht einen Sarg.“

Die Kritik des Gunslingers:

Alfonso Balcazar, Giovanni Simonelli und Francisco Martinez Celeiro aka “George Martin” taten sich immer wieder auch genreübergreifend zusammen. Erinnert sei hier beispielhaft an „Operation Taifun“ oder „Ein Einsamer kehrt zurück“. Komplett-Schrott kam dabei selten raus.
Auch „Sonora“ ist alles in allem ein amtlicher Italowestern mit jedoch ein paar Schwächen. Was hier ein wenig unglücklich gelöst ist, sind die immer wieder eingestreuten Rückblenden, um die Rachegelüste unseres Loners zu motivieren. Immer wenn George Martin stoppelbärtig und etwas triefäugig seinen Blick über den Fluss schweifen lässt, und das macht er anfangs öfter, müssen wir einen kitschig-schwülen Flashback über uns ergehen lassen. Das ist unzureichend integriert und damit schädlich für den Flow, der in der ersten Hälfte eh ein wenig zerfahren wirkt. Erst wenn das Buch alle Parteien in Sonora zusammenführt, geht’s konsequenter zur Sache. Was außerdem auffällt, ist das „Sartana“-Mysteriosum. Während viele Fassungen unseren schweigsamen Freund so benennen, ist es in der deutschen Synchro der Elam-Charakter, der so heißt. Es un misterioso, wie vielleicht der Mexikaner sagen würde (wink).
Abgesehen davon schnurrt vor unseren Augen ein unterhaltsamer Italo aus der zweiten Reihe ab, der eine angemessen raue Gangart vorlegt. Wer hier um sein Leben jammert, hat eh schon verloren; man legt Verletzte generell und ohne zu zögern mit dem zweiten oder auch dritten Schuss um. Einwohner Sonoras werden von Banditen als bewegte Ziele genutzt, während auf die Treffsicherheit gewettet wird. Alle Parteien schießen erst, und danach gibt’s sowieso nix mehr zu fragen. Der Film ist gut fotografiert: Optisch besonders gefallen haben mir die monochromen Szenen, bei denen die Kamera durch Buntglasfenster spechtet, ich glaube, es war im Saloon. Der De-Masi-Score enthält neben dem von Raoul gesungenen Titelsong auch etliche sehr dissonante Passagen – mich wundert nicht, dass Schönberg zu de Masis Inspirationsquellen zählt – sowie viel Frauenstimme. Auf der Darstellerseite hat mir besonders Gilbert Roland gefallen, dessen Kitchener zwar knallhart nach ökonomischen Gesichtspunkten handelt, im Zweifelsfall aber doch auch noch andere Prinzipien kennt.

Rating: $$$+

Bodycount:

ca. 25 Gringos und Mexikaner

Explizite Brutalitäten:

  • Barmen um das eigene Leben bringt nichts, einzig Geschwindigkeit der Ziehhand und Treffsicherheit machen den Unterschied zwischen Leben und Tod
  • Slim pflegt seine Shoot-outs gern als eine Art russisches Roulette zu inszenieren: Jeder Kontrahent hat nur eine Patrone, doch Slims Gegner muss mit einer Platzpatrone auskommen ;-)
  • Banditen schießen auf reitende Stadtbewohner und wetten dabei auf ihre Treffsicherheit
  • Cajado kriegt von Reyes’ (Tomas Torres) Jungs erst heftig auf die Mütze und hat am Ende ein paar brennende Dynamitstangen unterm Arsch
  • José und Cajado sind bei der abschließenden Mexikaner-Kill-Party auch nicht von Pappe

Liebe:

… ist hier nur Erinnerung, der aber irgendwie eine gewisse Treibkraft innewohnt: 2/10

Splatter:

1/10

Spezialitäten:

Als Kitchener ein paar schwere Jungs um Joe Sullivan (Gérard Tichy)
eindampfen möchte, lässt er vorher den Sargtischler mitsamt Katalog kommen. So können sich die designierten Opfer aus der Kollektion ein Modell des Gefallens aussuchen. Sehr schön.

 

 

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