Access Keys:
Skip to content (Access Key - 0)

Toggle Sidebar

Dirty Harry kommt zurück

Info

OT: 
Sudden Impact

AT:
Dirty Harry 4 – Dirty Harry kommt zurück

Jahr:
USA 1983
R: Clint Eastwood
B: Joseph C. Stinson
K: Bruce Surtees
M: Lalo Schifrin
D: Clint Eastwood, Sondra Locke, Pat Hingle, Paul Drake

Quelle: TV (Kabel 1)

 

Inhalt

Heute ist wieder mal ein so richtig typischer Tag im Dienstleben von San Franciscos härtestem Cop, Inspektor „Dirty“ Harry Callahan (Clint Eastwood): Am Morgen lässt eine geifernde Richterin einen mutmaßlichen Mörder laufen, weil Harry mal wieder Dienstvorschriften verletzt hat; nachmittags muss er ein paar Kleinganoven umnieten, die seinen Stamm-Diner überfallen; abends verreckt ein örtlicher Gangsterboss, der auf der Hochzeitsfeier seiner Tochter einen Herzanfall erleidet, als ihn Harry mit ein paar unschönen Wahrheiten konfrontiert.
Seine Vorgesetzten haben mal wieder die Schnauze voll und gewähren Harry ein paar Tage „Sonderurlaub“, den dieser nutzt, um im Wald seine Fähigkeiten an der 44er Magnum Automatik aufzufrischen. Doch selbst außer Dienst arbeitet Callahan weiter daran, dass den Leichenschauhäusern der Nachschub nicht ausgeht. Also schickt man ihn erstmal ganz weg aus San Francisco. Der raubeinige Inspektor soll ganz gegen seinen Willen in einem Küstenkaff am Pazifik Hintergründe eines Mordes recherchieren, bei dem der Mörder seinem Opfer Hirn und Eier weggepustet hat.
Doch nicht nur entpuppt sich der Fall als Beginn einer Mordserie. Auch legt sich Harry schneller, als man gucken kann mit den örtlichen Bullen an. Insbesondere in Chief Jannings (Pat Hingle) erwächst ihm ein Feind aus Überzeugung. Einzig Officer Bennett (Mark Keyloun), dem Harry bei einem – na, was wohl – Raubüberfall das Leben rettet und Horace (Albert Popwell), sein Kumpel aus San Francisco, greifen ihm unter die Arme. Und dann ist da noch die Künstlerin Jennifer Spencer (Sondra Locke), zu der Harry bald Tuchfühlung aufnimmt.

Zitate

Harry rules:
„Go ahead, make my day.“ (Einer DER Sprücheklassiker, hier von Harry erstmals gebracht. Heißt in der deutschen Synchro in Ermangelung einer adäquaten Übersetzung: „Na, los doch: Make my day“)

„Hör zu, du Würstchen, für mich bist du nur Hundescheiße. Und mit Hundescheiße kann eine Menge passieren: Man kann sie mit einer Schaufel abkratzen oder trocknen, um sie in den Wind zu pusten; oder man tritt drauf und zerquetscht sie. Denk dran, wenn du das nächste Mal ‘n Hundehaufen siehst.“

„Weißt du, was mir wirklich den Magen umdreht?“ – Zivilbulle (Joe Bellan): „Was?“ – „Wenn ich mir ansehen muss, wie du dir die Hotdogs in die Schnauze schiebst. Kein Mensch, kein normaler Mensch schmiert Ketchup auf ‘n Hotdog.“ (Hier könnte Tarantino für „Pulp Fiction“ Inspiration gefunden haben (wink))

„Das ist eine 44er Magnum Automatik. Ist fast schon ‘ne Kanone. Richtig benutzt, bleiben nicht mal Fingerabdrücke übrig.“

Ray (Audrie Neenan): „Was ist mit Ray?“„Er hat seine Eier verloren. Er ist tot. Ermordet.“

„Esst mehr Fisch, und haltet lieber die Schnauze.“

… und sonst:

Jannings: „Überall, wo Sie auftauchen, kommt jemand ums Leben. Das ist etwas, was ich nicht schätze und Sie noch viel weniger, Callahan.“

Lt. Donnelly (Michael Currie): „Sie sind ein Neandertaler, Callahan.“

Die Kritik des Gunslingers:

Da ist er also wieder: der Mann, der seiner Kritik an Polizei und Rechtssystem in unnachahmlicher Weise Nachdruck verleihen kann. Der Freund *hust* unkonventioneller Ermittlungsmethoden, für den Verhaftung immer die schlechteste aller Optionen ist (wink).
Das erste Mal nahm nun Hauptdarsteller Clint Eastwood im Rahmen des Serials selbst auf dem Regiestuhl Platz, und er gibt uns wieder das zurück, was wir in den beiden Vorgängerteilen teilweise etwas vermisst haben. Vergessen sind die Weichspülertendenzen, die versuchten, Harry in den geltenden Moral- und Wertekanon einzuordnen. Statt Blumen in den Lauf gibt‘s jetzt wieder die Magnum in die Kimme. Schon die erste Viertelstunde des Streifens, der übrigens nicht mit einem Mord beginnt, steckt die Arena ab: einer laschen Justiz und tendenziell korrupten Polizei tanzt das kriminelle Gelichter auf der Nase rum, zumindest so lange, bis Harrys Magnum mittanzt.
Neben den mit Sand zwischen den Zähnen vorgebrachten Sprüchen des Inspektors sorgt auch Bulldogge „Meathead“ für den einen oder anderen Schmunzler. Gut, wenn sich der Hund laut furzend am Restaurantgestühl entleert, ist das nicht jedermanns Sache, doch ich bin sowas gegenüber eher aufgeschlossen *lach.
Der Inspektor ist ob der Umstände also wieder Mal leidlich desillusioniert, killt in Notwehr oder im Namen des Gesetzes. Am Ende allerdings spitzt er das derart zu, dass auch formal nicht mehr das Gesetz sein Handeln bestimmt, sondern ein archaisches Gerechtigkeitsgefühl. Das Gesetz, so könnte hier die Quintessenz lauten, ist eh nicht das Papier wert, auf dem es steht, weil es niemand mehr durchsetzen kann. Wer Gerechtigkeit will, muss sich selbst helfen.
Klar, kann man dieses in der Summe eigentlich unverhüllte Plädoyer für Selbstjustiz jetzt geißeln, doch sind wir dafür nicht die Richtigen. Zur Strafe stand der Streifen ja auch mehr als 20 Jahre auf dem Index. Wir genießen an dieser Stelle ein temporeiches Action-Feuerwerk im Comic-Stil, gut fotografiert und von Lalo Schifrin mit einem gewohnt souveränen Score ausgestattet, der den Brückenschlag zwischen Klassik und Moderne schafft.
Kameramann Bruce Surtees fotografierte übrigens etliche Filme mit Clint Eastwood: von „Sadistico“ über „Dirty Harry“ und „Flucht von Alcatraz“ bis zu „Pale Rider“.

Rating: $$$$

Splatter:

2/10

 

 

Bitte beachten Sie unsere Datenschutzrichtlinien