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Requiem für Django

Info

OT: 
Requiem para el Gringo

AT:
Requiem per un Gringo (I)

Jahr:
SP/I 1968
R: José Luis Merino
B: Arrigo & Enrico Colombo, Giuliana Caravaglia, Maria Del Carmen Martinez Román
K: Mario Pacheco
M: Angelo Francesco Lavagnino
D: Lang Jeffries, Fernando Sancho, Femi Benussi, Ruben Rojo

Quelle: DVD (Colosseo). Dank fürs Rezi-Exemplar!

 

Inhalt

Porfirio Carrancho/Carranza (Fernando Sancho) führt einen Haufen von Galgenstricken im mexikanischen Grenzland. Um einen gut bestückten Schatz einzusacken, macht die Bande – gesplittet in Kleingruppen – nach Kalifornien rüber. Treffpunkt soll eine abgelegene Farm sein, auf der sich Carranza mit einem Teil der Gang schon mal breitmacht.
Blöderweise platzt in das fröhliche Banditenstelldichein der junge und ahnungslose Dan Logan (Carlo Simoni), der ausgerechnet jetzt der Farm einen Besuch abstatten muss. Dass er das nicht überlebt, sind Carranza und die Seinen ihrem guten Ruf schuldig. Außerdem: Spaß muss sein. So unterzieht man den guten Dan einem Duell, bei dem er chancenlos ist, um ihn am Ende „zur Abschreckung“ an die Grundstückspforte zu hängen.
Wind von der Sache kriegt Dans älterer Bruder Ross (Lang Jeffries), „Django“ für seine Freunde, heimgekehrt nach Jahren der Abwesenheit. Ein in Jaguar-Poncho gewandeter Gunslinger der Extraklasse, der Gelichter schneller eintütet, als es „Carramba“ sagen kann. Django bezieht Quartier im Puff von Samuel (Angel Alvarez), unweit der Banditenranch gelegen. Hier wartet er auf den idealen Zeitpunkt, dem Carranza-Clan endgültig heimzuleuchten: eine Sonnenfinsternis, die es drei Tage später geben soll. Bis dahin vertreibt er sich die Zeit, um Carranzas Mannen, die zwecks Zerstreuung dem Etablissement ihre Aufwartung machen, bleibeschwert nach Hause zu schicken.
Zwar kriegt irgendwann auch der Mexen-Boss trotz des sich niemals lichtenden Alk-Nebels mit, dass sich da was zusammenbraut. Doch verhindern kann er die Entladung natürlich nicht.

Zitate

Tom (Ruben Rojo): „Draußen ist so ein Bengel aufgetaucht.“ – Carranza: „Habt ihr Scheiße im Kopf, dass ihr mich deswegen stört?“

Samuel: „Scheiße, die ham‘ noch ‘ne Flasche zu bezahlen.“ (Ross hat gerade vier Stammgäste erledigt)

Ross: „Bindet das Gelumpe auf die Gäule.“ (Es geht um besagte Gäste (s.o.))

Ted (Carlo Gaddi): „Du weißt, dass ich dich nicht mit Gewalt will. Aber wenn du mir heute Abend nicht deine Tür öffnest, bringe ich dich um.“ (Wer kann dazu schon nein sagen (Zwinkern))

Die Kritik des Gunslingers:

Regisseur José Luis Merino erwarb seine Meriten eher im Peplum und vor allem später im Horrorfilm als im Western. So hat er im Genre – wenig erstaunlich – kaum Spuren hinterlassen. Nach seinem eher graupigen Western-Debüt „Der Mann, der aus dem Norden kam“, ein Jahr zuvor, legte Merino aber diesen düsteren, hochklassigen B-Film vor.
„Requiem für Django“ weckt dabei nicht die Aufmerksamkeit durch die eher konventionelle Rachegeschichte – Gringo verlegt eine Rutsche Banditen einen Stock tiefer – als vielmehr durch die Erzähltechnik und den Bau der Charaktere. Die besseren Italowestern ziehen ihre Attraktivität unter anderem auch durch ihre „Gimmicks“ wie besondere Fähigkeiten und Eigenschaften des Personals, ausgefallene Waffen oder auch originell inszenierte Showdowns. Auch hier hat sich das Buch nicht lumpen lassen. So ist allein Ross‘ Poncho, gefertigt aus dem Fell eines Jaguars, *hust* exzentrisch – selbst für einen Italowestern. Ist aber eigentlich gar nicht so abwegig, liebe Freunde, denn im letzten Jahrhundert lebten auch in Kalifornien noch Jaguare, die kräftigeren Verwandten des Leoparden. Vielleicht sind euch auch schon mal Bilder zu Augen gekommen, auf denen indianische Krieger entsprechende Fellmäntel trugen oder auch Jaguar-Köpfe als Kopfbedeckung. Insofern: Symbol, Symbol, höre ich mich raunen (Zwinkern).
Und auch Ross Interesse für Astronomie und Meteorologie und sein üppig ausgestattetes Studierzimmer sind nicht gewöhnlich. So nutzt er die errechnete Sonnenfinsternis für seine Abrechnung mit Carranza aus. Was dem Showdown eine besondere, apokalyptische Note verleiht. Ansonsten kommt die vom Kanadier Lang Jeffries verkörperte Figur rüber wie eine Mischung aus Django und Sartana. Ersteres verstärken nicht nur die Klamotten – Armeehose unter Poncho – sondern auch die deutsche Synchro: Gert Günter Hoffmann hatte auch Franco Nero die deutsche Stimme gegeben. Den Sartana-Touch geben die übernatürlichen Elemente dazu: In den ausschließlich als Rückblenden auftauchenden Duellen mit Ross‘ Hauptwidersachern der Carranza-Gang (Carlo Gaddi, Aldo Sambrell, Ruben Rojo) scheint Ross beliebig seine Position ändern zu können, um aus dem Nichts zu erscheinen. Und zu guter Letzt findet sich auch Joe aus „Für eine Handvoll Dollar“ wieder, denn das Reittier von Ross ist ebenfalls ein Muli. In diesem Zusammenhang interessant: Arrigo Colombo, einer der Drehbuchautoren, hatte den Leone-Streifen mitproduziert.
Beachtenswert ist aber auch die Performance von Fernando Sancho. Zwar tritt er wieder mal als cholerisch-prahlerischer Banditenboss in die Bütt. Doch sind hier deutliche Brüche zu sehen. So ist seine Autorität innerhalb der Bande mehr als wacklig. Denn nicht nur seine Schießkünste mit dem Colt sind dank seiner Trinkerei medioker (Zwinkern): Gegner hält er sich daher am liebsten mit einer abgesägten Schrotflinte vom Leib. Seine Gespielin Alma (Femi Benussi) lässt sich von ihm für jede Gunstbezeugung fürstlich entlohnen, knattert aber gleichzeitig mit Tom (Rojo), dem kommenden Mann. Der provoziert seinen Boss, wo er nur kann, was dieser kaum mehr wechseln kann.
Einer besonderen Erwähnung wert ist auch der Score von Angelo Francesco Lavagnino, der auch für Merinos ersten Western die Musike schrieb. Die Mischung aus einem fast klerikal anmutenden Orgelthema, gepaart mit Klarinette/Oboe – das kriege ich nicht unterschieden (Zwinkern) – Gitarre und Elektronik, unterfüttert vom Allesandroni-Chor passt erstklassig. Zwiespältig ist allerdings die Synchro, die meiner Meinung nach im Ton deutlich überreißt. Das Aneinanderreihen von „Arschloch“, „Scheiße“ und dergleichen mehr macht den Ton nicht härter, sondern nervt nach einiger Zeit nur noch.

Rating: $$$$+

Bodycount:

ca. 21 Gringos, 15 Mexikaner, 1e Frau

Explizite Brutalitäten:

  • Die Bandidos vermachen einen der Spitzelei verdächtigten Mexikaner (Sancho Garcia), der dazu noch mit Nina (Marisa Peredes), Flamme des knallharten Ted (Gaddi) rumpoussiert hat. Dann geht’s zur Hanging-Party
  • Dan muss ein *hust* eigenwilliges Duell absolvieren und endet luftgetrocknet an der Grundstückspforte
  • Carranza kujoniert Pejones, weil er sauer ist über eine Rutsche Tote, die ihm Django hat zukommen lassen
  • Tom, Indio und Ted legen ahnungslose Bandenmitglieder um, um die Teilmengen des Schatzes zu vergrößern
  • Banditen schießen aus Daffke auf die Teilnehmer eines Trauerzugs
  • Ross präsentiert Carranza die abgeschnittene Revolverhand seines Schergen

Liebe:

Nada. Es geht ausschließlich um Macht und Kohle auf der einen, um Triebabfuhr auf der anderen Seite: 0/10

Splatter:

Trotz etlicher Härten recht moderat: 2/10

Spezialitäten:

Roy führt ein Jaguar-Fell als Poncho spazieren, reitet ein Muli und ist interessiert an Wissenschaft, vornehmlich Astronomie und Wetterkunde. Er wählt eine Sonnenfinsternis aus, um seine Rache zu vollenden.

 

 

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