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700 Meilen westwärts

Info

OT: 
Bite the Bullet

Jahr: USA 1975
R; B: Richard Brooks
K: Harry Stradling
M: Alex North
D: Gene Hackman, James Coburn, Candice Bergen, Jan-Michael Vincent

Quelle: TV (Servus TV)

 

Inhalt

Als 1906 der Herausgeber der „Western Press“ ein Langstreckenrennen über 700 Meilen auslobt, ist der Zuspruch rege. Nicht nur das Preisgeld von 2.000 Dollar lockt, sondern auch die im Umfeld geschlossenen Wetten. Unter den Glücksrittern und Abenteurern befindet sich der notorische Spieler Luke Matthews (James Coburn), der das gesamte Preisgeld bereits im Vorfeld reinvestiert hat – nämlich in eine Wette auf seinen Sieg. Gewinnen ist also Pflicht.
So passt es Matthews gar nicht in den Kram, dass auch sein alter Kriegskamerad Sam Clayton (Gene Hackman) die Hufe schwingen will. Clayton ist ausgewiesener Tierfreund und hält das Rennen eigentlich für eine überflüssige Pferdeschinderei. Nun hat er aber gerade seinen Job beim reichen Parker (Paul Stewart) verloren, dessen Edelzossen er rechtzeitig zum Rennen anliefern sollte. Und rechtzeitig hieß nicht erst auf den letzten Drücker (Zwinkern). Daher entschließt sich Clayton völlig spontan und ehrgeizlos, selbst an dem Spektakel teilzunehmen. Die Ex-Nutte Sally Jones (Candice Bergen) schließlich will das Rennen nutzen, um ihr Gspusi zu befreien, der nach einem missglückten Banküberfall gerade in einer Chaingang Extraschichten schiebt.
Die Strecke führt durch sonnendurchglühte Prärie- und Wüstenabschnitte und unwirtliche Gebirgsregionen. Jeder Teilnehmer darf dabei seine Route frei wählen, muss aber an den festen Kontrollpunkten abschlagen. Doch nicht nur die raue Natur, sondern auch Selbstüberschätzung und übertriebener Ehrgeiz in verschiedener Form sorgen dafür, dass das Teilnehmerfeld aus anfangs neun Reitern immer mehr ausdünnt.

Zitate

Parker: „Dieses Rennen wird von einem Pferd gewonnen und nicht von einem Großmaul.“

Luke: „Ich hatte ganz vergessen, wie gut sich eine schlechte Frau anfühlt.“

Sam: „Ein Rennen um Geld ist kein Sport. Dass ist offener Krieg.“

Luke: „Wie wär’s, wenn du mir deine Lebensgeschichte erzählst? Lass aber alles weg außer den letzten paar Minuten.“

Honey (Sally Kirkland): „Buffalo Bill? War das nicht der schnellste Schütze im ganzen Westen?“ – Rosie (Jean Willes): „Nur im Bett, Kindchen.“

Die Kritik des Guslingers:

Autorenfilmer Richard Brooks näherte sich dem Thema „Spätwestern“ nicht zum ersten Mal. Bereits 1966 drehte er mit „Die gefürchteten Vier“ sein hochgeschätztes Genredebüt. Hier nun feiert er nicht nur Attribute wie Fairness und Respekt ab, sondern setzt auch die Natur und – natürlich – das Pferd als feste Bestandteile der Mythen über den Westen in Szene.
Diese Mythen werden verkörpert von den zum Teil am Leben gescheiterten Westmännern wie „Mister“ (Ben Johnson), Luke Matthews und in besonderem Maße von Sam Clayton. Clayton hat dabei nicht nur das erwähnt große Herz für Tiere, insbesondere Pferde, sondern setzt sich auch für Menschen in Not ein: besagten „Mister“, der am Rennen teilnimmt, um es sich trotz seiner total maroden Pumpe nochmal zu beweisen. Oder den Mexikaner (Mario Arteaga), dem Clayton gegen rassistische Anfeindungen beisteht und Heroin besorgt gegen seine höllischen Zahnschmerzen. Zusammen mit Sally operiert er den Gutsten später sogar und baut ihm eine Patronenhülse als Schutzkappe in die Kauleiste ein. Ein dem englischen Originaltitel geradezu wörtlich angelehntes Symbol (Zwinkern).
Die nachrückende Generation in Gestalt des Möchtegern-Gunslingers Carbo (Jan-Michael Vincent) ist dagegen total selbst-zentriert und respektlos. Insbesondere wird dies deutlich, wie er im Gegensatz zu allen anderen Teilnehmern sein Pferd malträtiert. Was sich am Ende rächen wird. Er gerät unausweichlich immer wieder mit Sam, aber auch Luke aneinander, was ihm einiges an Dresche, aber leider wenig Erkenntnis beschert.
Für die heraufziehende Moderne steht nicht nur das Motorrad des begleitenden Journalisten (Robert Donner), sondern fast noch mehr der Sonderzug, in dem der Zeitungsverleger mit seinem Tross von Kontrollpunkt zu Kontrollpunkt fährt. Von hier aus läuft eine geölte PR-Maschinerie, die News vom Rennen in die Welt tutet.
Anders als bei anderen Spätwestern trauert dieser Streifen nicht verlorenen Werten nach: keine Melancholie, keine Nostalgie. Es geht um ein fettes Abenteuer im wahrlich „wilden“ Westen, wie es heute so ähnlich garantiert auch noch stattfinden könnte. Die Kamera ist formidabel und liefert immer wieder farbsatte Naturaufnahmen und Panoramen. Dazu gibt es natürlich eine Menge „Saddle-Cam“ und den ein oder anderen Gimmick. Wenn etwa Carbo sein ausgepowertes Pferd mit Peitsche und Sporen traktiert, ist dies in Zeitlupe gefilmt, während der überholende Zossen in „Echtzeit“ vorbeizieht. Es gibt für die Thematik eigentlich sehr wenig Action. Dafür bekommen die Hauptcharaktere zumeist an den Checkpoints jeder seine Szene(n), um die Konturen zu schärfen. Und die Atmo ist großartig – kaum getrübt durch einmal deutlich sichtbare Reifenspuren im Sand (Zwinkern).
Candice Bergen und Gene Hackman spielten nicht zum ersten Mal in einem Western zusammen. Das erste Zusammentreffen dieser Art fand in „Leise weht der Wind des Todes“ statt.

Rating: $$$$

Splatter:

1/10


 

 

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